Marxismus in Russland

⋄ In Russland gibt es nicht den Marxismus, sondern eine große Bandbreite an marxistischen Strömungen und Tendenzen, die sich in der Tradition verschiedener westlicher oder sowjetischer Größen sehen.

⋄ Die Critical Sociology veröffentlichte in ihrer aktuellen Ausgabe diverse Aufsätze über Russland und den russischen Marxismus.


⋄ Der Schwerpunkt lag auf dem post-sowjetischen Schule des kritischen Marxismus (PSSCM), wie er z.B. von Alesankdr Buzgalin vertreten wird.


⋄ Schwerpunkte des PSSCM sind die Erneuerung der Marxschen Kategorien für das 21. Jahrhundert, Fragen der Dialektik von Abstraktem und Konkretem, sowie die Analyse des zeitgenössischen Russlands.

⋄ Auch wenn Bürokratie und Oligarchie kals herrschende Formationen ritisch gesehen werden, ist die Kritik an Putin eher unaufgeregt.

In den letzten Wochen sind einige Artikel erschienen, wie sich „russische Marxisten“ im Ukrainekrieg positionieren. In der Regel verurteilen sie den Krieg, geißeln das Putin-System als protofaschistisch und gehen auf Distanz zur KPRF. Aber was ist eigentlich „russischer Marxismus“? Gibt es nur einen? Wie einflussreich ist er in Wissenschaft und Politik?

In der aktuellen Critical Sociology geben Wissenschaftler*innen aus Moskau und St. Petersburg einen Überblick über den akademischen Marxismus in Russland. Insbesondere Olga Barashkova zeichnet in einem Artikel die unterschiedlichen Strömungen mit ihren Leitideen und -figuren nach. Sie geht insbesondere auf die Strömung der post-sowjetischen Schule des kritischen Marxismus ein. Im Folgenden sollen die wichtigsten Aspekte wiedergegeben werden und eine kleine Übersicht über das Who-is-Who des russischen Marxismus erstellt werden.

Das sozio-ökonomische Umfeld

Das sozio-ökonomische Umfeld, in denen sich der Marxismus in Russland entwickelt, wird von vielen Marxist*innen durch zwei große herrschende Formationen beschrieben: die Bürokratie und die Oligarchie. Wie David Epstein feststellt, entstammten beide Fraktionen der alten Sowjet-Nomenklatura. Die Oligarchie hätte sich schnell unter Ausnutzung fehlender staatlicher Regulation Teile des Volksvermögens angeeignet, produktive Teile verschleudert und in den boomenden Rohstoffsektor investiert. Auf der Welle des Frusts über die Schäden der Deregulierungspolitik sei dann die bürokratische Fraktion mit dem Mandat der Massen zu stärken Eingriffen in die Wirtschaft ausgestattet worden. Während die Bürokratie jedoch auf die Importeinnahmen aus dem Rohstoffgeschäft angewiesen ist – und somit außenpolitisch gleiche Interessen, wie die Oligarchie vertritt -, muss sie auch zu große Eigenständigkeit und Korruption letzterer mit staatlicher Gewalt einschränken. Es entstand eine dialektische Symbiose, welche den politischen Raum Russlands heute prägt. Aber warum lässt sich das Volk und das Proletariat diese Machtaufteilung eigentlich gefallen?

Zhan Toshchenko beschreibt die russische Gesellschaft als traumatisiert. Der Aufbruch, den sich viele von Glasnost und Perestroika versprachen, endete für große Teile der Werktätigen in einem Desaster. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion fiel der Kurs des Rubels unaufhörlich, stiegen Kriminalität und Arbeitslosigkeit, Löhne und Renten wurden gar nicht oder nur teilweise gezahlt, das Volksvermögen unter einigen wenigen Ex-Komsomolzen aufgeteilt. Erst der Aufstieg der Bürokratie vermochte es, den Niedergang zumindest zu bremsen und das Leben ärmlich, aber kalkulierbar zu machen. So sei es zu erklären, dass die Bevölkerung zwar der Politik nicht vertraue (die Zustimmungswerte liegen konstant zwischen 30% und 40%), aber Verheißungen einer besseren Zukunft eher kritisch gegenübersteht

Diese Stimmung spiegelt auch der russische Marxismus wieder. Während er in den 90ern fast jegliche Relevanz verlor und Kommunist*innen teils offen verfolgt wurden, ist es in den letzten 20 Jahren zumindest gelungen, sich zu etablieren und institutionell abzusichern. Kommunist*innen und Marxist*innen können relativ frei wirken und sind von der Pressezensur eher geringfügig betroffen, wenn man den aktivistischen trotzkistischen Marxismus außen vor lässt.

Die Strömungen des russischen Marxismus

Übersicht auf Grundlage des Artikels, einige Ergänzungen

Der Marxismus in Russland unterteilt sich in verschiedene Strömungen und Tendenzen. Olga Barashkova sieht vier größere dieser Richtungen. Die orthodoxe Strömung schließe an die Vereinfachungen und Systematisierungen durch Stalin und Shdanov in den 30er bis 50er Jahren in der Sowjetunion an. Auch wenn keine prominenten Figur einer russischen Universität diesen Flügel repräsentiere, besitze er einige Anhänger*innen an den Universitäten, die sich in graswurzelartigen Lesekreisen vernetzen. In diesen säßen häufig auch junge Arbeiter*innen, nicht selten mit Nähe zur KPRF oder den Kommunisten Russlands. Vielleicht könne noch Professor David Dzhokhadze, der 20 Jahre lang den marxistischen Klub des Instituts für Philosophie an der Akademie der Wissenschaften geleitet hat, als bekanntester Vertreter angesehen werden.

Die sozialdemokratische Strömung, die am prominentesten von Theodore Oizerman vertreten wird, beziehe sich auf die eurokommunistische und die Frankfurter Schule. Sie sehe die marxistische Gesellschaftsanalyse als gültig an und fordere weitgehende Veränderungen des Kapitalismus, ohne die Notwendigkeit einer revolutionären Umwälzung anzuerkennen.

Der russophile Trend unterstelle Marx eine tiefsitzende Russophobie, die ihn daran gehindert habe, die Klassenverhältnisse im damaligen Zarenreich richtig zu interpretieren. Die entsprechenden Wissenschaftler*innen wiesen auf eine verselbstständigte Dialektik von Kultur und politischer Ökonomie hin, welche „die traditionellen Werte Russlands“ zu einer marxistischen Kategorie synthetisierten. Besonders zivilisatorische Gemeinsamkeiten mit China würden hervorgehoben. Nennenswerte Vertreter*innen seienVladimir Shevchenko and Vladlen Burov.

Andere akademische Ausrichtungen mit Bezug zu Marx, sind die Anhänger*innen Evald Ilyenkovs (Näheres hier), die sich mit der Dialektik gesellschaftlicher und ökonomischer Kategorien beschäftigen. Auch die Anhänger*innen des an einer Planwirtschaft orientierten Ökonomen Nikolai Tsagolovs seien organisiert. Zudem gebe es das Projekt „Neues polit-ökonomisches Labor“ von Oleg Komolov, in dem junge Politik- und Wirtschaftswissenschaftler*innen zeitgenössische Probleme aus einer marxistischen Perspektive diskutierten. Abschließend nennt Barashkova noch zwei Strömungen der kritischen Theorie in Russland: die Ural-Schule des Marxismus und die Redaktionen der Zeitschriften Logos, Skeptizimus und New Literary Review.

Die post-sowjetische Schule des kritischen Marxismus (PSSCM)

Die post-sowjetische Schule des kritischen Marxismus (im Weiteren kurz: PSSCM) stellt so etwas wie ein Scharnier zwischen orthodoxem und Postmarxismus dar. Sie bezieht bezieht sich im Wesentlichen direkt auf die Schriften Marx´, Engels, Lenins und Plekhanovs. So veröffentliche man anlässlich des 150. Geburtstags von Lenin das zweibändige Werk „Lenin Online: 14 Professor zu V.I. Ulyanov-Lenin“ und 2022 „Lenin: Der Durchbruch“ von Aleksandr Buzgalin. Andere wichtige Einflüsse sind György Lukacs, Michael Lifshitz, Evald Ilyenkov, Jean-Paul Sartre und Erich Fromm. Auch Samir Amin und die Weltsystemtheorie sind wichtige Bezugspunkte.

Wichtigstes institutionelles Zentrum ist die Lomonosov-Universität in Moskau, insbesondere deren Philosophische Fakultät. Von dieser ausgehend organisiert sich die PSSCM um drei größere Projekte: die Zeitschrift Alternativy, die auch eine Buchserie herausbringt, ein Professoren-Seminar, welches mit der Staatsduma kooperiert und das Wissenschafts und Bildungszentrum für moderne marxistische Studien an der PhilFak der Lomonsov-Universität. Darüber hinaus veröffentlichen Repräsentat*innen in der Voprosy politicheskiy ekonomii. Seit 2012 veranstaltet die PSSCM regelmäßig eine internationale marxistische Konferenz und besucht andere Konferenzen, zum Beispiel in Beijing.

Die Akteure der PSSCM sind international gut vernetzt. So bestehen zum Beispiel teils enge Kontakte zu W.-F. Haug oder Michael Brie in Deutschland, Cheng Enfu in China (vorgestellt hier), David Laibman in Großbritannien, Hiroshi Onishi in Japan oder Radhika Desai in Kanada. Artikel erscheinen in fast allen wichtigen Fachmagazinen mit marxistischem Schwerpunkt, wie Historical Materialism, International Critical Thought, Radical Review of Political Economy u.v.m. Mit trotzkistischen Richtungen herrscht ein kritischer, wenn auch solidarischer Dialog.

Die beiden bedeutendsten Personen der PSSCM sind wahrscheinlich Aleksandr Buzgalin und Andrei Kolganov. Doch auch Lyudmila Bulavka-Buzgalina, Mikhail Voyeikov, Gennady Lobastov, und Boris Slavin gehören zu führenden Köpfen. Dahinter habe sich ein breites Spektrum eher jüngerer Wissenschaftler*innen ausgebildet, die sich sehr konkret mit Fragen der Methodologie, des Bildungswesens oder des imperialistischen Systems auseinandersetzen.

Inhaltliche Schwerpunkte der PSSCM

Inhaltlich widmet sich die PSSCM folgenden Kernthemen:

  • Verständnis und Anwendung der dialektischen Methode in Transformationsprozessen
  • Prozesse sozialer Emanzipation und Überwindung der Entfremdung
  • Erörterung neuer Qualitäten Marxscher Kategorien im fortgeschrittenen Imperialismus
  • Potential und Widersprüche der Sowjetunion
  • der Sozialismus des 21. Jahrhunderts als nichtlinearer Prozess

Dialektische Methode

Die Vertreter*innen des post-sowjetischen kritischen Marxismus halten nach Barashkova die Ausarbeitung der Methode des Aufstiegs vom Abstrakten zum Konkreten aus dem Kapital als eine der großen Leistungen der sowjetischen Philosophie. Zwischen abstrakten und konkreten Prozessen könne es zu Widersprüchen kommen, die quantitativ so stark anwüchsen, dass sie revolutionär neue Qualitäten hervorbrächten. Sie argumentierten, dass die Ungleichzeitigkeit sozio-ökonomischer Entwicklungen in der historischen Zeit und im sozio-kulturellen Raum nicht nur Fortschritt, sondern auch teilweisen Rückschritt bedeuten könne. Ein Beispiel wären die Widersprüche zwischen der globalen ökonomischen Entwicklung (Digitalisierung, Finanzialisierung, etc.) und der zeitgenössischen Ökonomie Russlands (Gasextraktivismus, Primärgutverarbeitung, etc.), welche auf politischer (Bürokratie, Oligarchie, etc.) und ideologischer Ebene (Nationalismus, Chauvinismus, etc.) zu neuen gesellschaftlichen Formationen führten. Da letztendlich die progressiven Kräfte stärker und langwieriger seien, betrachteten viele der PSSCM-Wissenschaftler*innen die aktuellen Entwicklungen in Russland zwar negativ, aber recht unaufgeregt.

Gleichzeitig argumentierten einige Vertreter*innen für einen stärker wissenschaftspositivistischen Zugang zu Politik und Ökonomie, die statistische Daten, empirische Studien und Systematisierungsversuche stärker berücksichtigten. Aus diesem Nebeneinander sei zuweilen ein fruchtbarer Dialog über die Verbindung von dialektischem Materialismus und analytischem Marxismus hervorgegangen.

Update des „historischen Materialismus“

Dieser Dialog werde in erster Linie auf dem Feld des historischen Materialismus ausgetragen. Hier distanziere man sich auf der einen Seite von den dogmatischen und unflexiblen Ansichten des „Histomat“ Stalins, ohne jedoch auf eine Systematisierung der Vielfältigkeit historischer und ökonomischer Prozesse verzichten zu wollen. So hielte man an wesentlichen Punkten der Fünf-Stufen-Theorie sozio-ökonomischer Formationen fest (Urkommunismus, Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus), bestreitet jedoch den kontinuierlichen Fortschritt. Es gäbe auch Rückschritte und Sprünge, die sich nicht in ein evolutionäres Schema fügten.

Ein im sowjetischen Mainstream zu kurz gekommener Fragenkomplex, die Dialektik von Subjekt und objektiven historischen Prozessen, werde von der PSSCM sehr zentral behandelt. Menschen seien beides, Akteure der Geschichte und Getriebene der Geschichte. Der PSSCM deute die Dialektik so, dass sie aus der Entfremdung der Menschen von den Produktionsmitteln herrühre. In einer kommunistischen Gesellschaft, in der allen Menschen auch wieder die Mittel ihres Lebens unmittelbar zur Verfügung stünden, würde sie verschwinden. Der Mensch wäre nur noch Akteur. Die wahre Geschichte der Menschheit könne beginnen. In diesem Framework würde auch deutlich, dass Arbeiter*innen weniger individuell, als eher kollektiv zu historischen Akteuren werden können, während die Bourgeoisie als relativ kleine Gruppe von Produktionsmittelbesitzern im Kapitalismus im Wesentlichen agiere.

neue Qualitäten Marxscher Kategorien

Der PSSCM nimmt in ihrer ökonomischen Analyse zwei Fakten zur Kenntnis: Erstens, dass Marx im Kapital von einer kapitalistischen Gesellschaft in ihrem idealen Durchschnitt ausging und zweitens, dass keine konkrete Gesellschaft ein idealer Durchschnitt ist. Vielmehr gäbe es überall Klassenkompromisse, nicht profitgetriebene Unternehmungen durch den Staat, Umverteilungen, politische Interventionen in internationalen Konflikten, ideologische Systeme und so weiter. Der PSSCM schließt daraus, dass auch die ganz basalen Kategorien des Kapitals – Ware, Wert, Kapital, Preis, Profit, Kredit, Rente – eine neue Bedeutung erhielten. Es müsse daher auch ganz konkret analysiert werden, wie sich die Kategorien unter den Umständen des 21. Jahrhunderts zueinander verhielten.

Konkret für Russland bedeute dies, zu untersuchen, wie die Verteilung von Kapital, Profiten und Renten genau zu der Bürokratie und Oligarchie führten, die seinen Charakter seit zwanzig Jahren prägten. Nicht mehr allein die Ausbeutung des industriellen Proletariats müsse in den grundlegenden Kategorien reflektiert sein, sondern auch die Profite der Rentiersklasse, die Selbstausbeutung kreativer und scheinselbstständiger Dienstleistungsarbeiter*innen und die Surplusausbeutung durch die imperialistischen Zentren. Die Spannungen zwischen allmählichen wirtschaftlichen Transformationsprozessen, sprunghaften technischen Entwicklungen, der wachsenden Produktion nutzloser Waren und die steigende globale wie nationale wie globale Ungerechtigkeit werden in Bezug auf eine objektive Grenze des Kapitalismus hin vonm PSSCM diskutiert. Denn aus diesen Spannungen möchte man gesellschaftliche Projekte aufzeigen, die über sozialdemokratische Umverteilungspolitik hinausgehen.

Zusammenfassung

Wozu jetzt all diese recht allgemeinen Einlassungen? Der Punkt ist folgender: Wer aktuelle Stellungnahmen russischer Marxist*innen, gerade aus dem Spektrum der PSSCM liest, wird überrascht sein, wie wenig Putin konkret kritisiert wird und wie viele Narrative der offiziellen Politik sich wiederfinden. Man könnte zu der bösen Vermutung kommen, dass die gute institutionelle Anbindung des russischen Marxismus diesen korrumpiert habe.

Allerdings gibt es einige theoretische Aspekte, aus denen sich diese Positionierung erklären lässt. So interessieren sich fast alle marxistischen Strömungen in Russland in erster Linie für die sozio-ökonomische Basis, über die sich erst der bürokratische und paternalistische Überbau des Putin-Systems erhebt. Putin ist für den PSSCM eine Charaktermaske der gesellschaftlichen Verhältnisse. Ohne eine Änderung der gesellschaftlichen Basis kann ein Sturz Putins kaum progressive Folgen haben, während die Gefahren einer Renaissance der Jelzin-Ära als real erachtet werden. Zweitens erachtet man den gesellschaftlichen Fortschritt als wesentlich robuster als kurzfristige regressive Phasen. Der liberale Kapitalismus kann auf Zeit spielen, während die Uhr der Oligarchen früher oder später abläuft. Drittens berücksichtigt man bei der Analyse der russischen Verhältnisse die Rolle des Landes im imperialistischen Mächtesystem und auf dem Weltmarkt. In dieser sehr konkreten Sichtweise gibt es einige protektionistische Maßnahmen, die auch in Kohärenz mit den Interessen des Proletariats gesehen werden. So ist eine funktionsfähige Staatsgewalt die Voraussetzung dafür, Renten aus den Rohstoffexporten überhaupt an die Bevölkerung umzuverteilen zu können. Diese muss teilweise immer noch gewaltsam gegen die Partikularinteressen der Oligarchie durchgesetzt werden. Bürokratie und Oligarchie sind keine Brothers in Crime, sondern pflegen ein dialektisches Verhältnis.

Die Critical Sociology hat ein gutes Werk getan, in ihrer aktuellen Ausgabe russische Marxist*innen zu Wort kommen zu lassen, die in den letzten Monaten recht wenig Aufmerksamkeit erhalten haben, weil sie andere Auffassungen vertreten als der westliche Mainstream. Man muss mit ihren Argumenten nicht mitgehen. Man muss sie jedoch inhaltlich verstehen, um sie auch inhaltlich kritisieren zu können. Man muss die gesellschaftlichen Hintergründe von Marxist*innen in einer post-sowjetischen Gesellschaft der Halbperipherie verstehen, wie man die der deutschen Marxist*innen in einem der imperialistischen Kernländer reflektieren muss. Marxist*innen dürfen Widersprüche nicht nur abstrakt thematisieren, sondern müssen sie auch dort ernst nehmen, wo sie ganz praktisch auftreten. Dazu gehört eine ernsthafte und solidarische Debatte mit den Marxist*innen in Russland (oder auch in China) ohne besserwisserische Belehrungen.

Literatur:

Barashkova, O. (2022): The Post-Soviet School of Critical Marxism (PSSCM). Particular Characteristics, Main Tendencies, and Its Place in the System of Marxist Studies in Post-Soviet Russia. In: Critical Sociology, Jahrgang 48, Ausgabe 4/5. S. 591–608.

Epstein, D. (2022): Post-Soviet Russia as a Product of Half-Disintegration of the USSR. Facts and Interpretation. In: Critical Sociology, Jahrgang 48, Ausgabe 4/5. S. 679-697.

Toshchenko, Z. (2022): Society of Trauma as a Third Modality of Development (Debatable Problems of Russia’s Present and Future From the Standpoint of Critical Marxism). In: Critical Sociology, Jahrgang 48, Ausgabe 4/5. S. 699-711.

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