Diagnose: Entfremdung

„Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag.“ lässt im Film The Country Girl Drehbuchautor George Seaton den Sänger Bing Crosby sagen. Alltag im Kapitalismus, das heißt vor allen Dingen Entfremdung. Entfremdung von anderen Menschen, wenn man in seiner Büroparzelle Aufträge abarbeitet; Entfremdung von der Arbeit, wenn Druck und Fremdbestimmung jede Tätigkeit zur Last werden lassen; Entfremdung von der Natur, wenn einem eigentlich egal ist, woher Essen und Kleidung kommen, Hauptsache sie sind bezahlbar. Es wird kaum verwundern, dass so ein Dauerzustand krank machen kann. Im Scandinavian Journal of Public Health entwarfen Emil Oversveen und Conor A. Kelly einen kurzen Abriss über die Entfremdungstheorie in der Gesundheitspsychologie. Sie arbeiteten Leerstellen des klassischen psycho-sozialen Ansatzes heraus und zeigten auf, wie marxistische Theorie in der Lage ist, diese zu füllen.

Weiterlesen

Reichtum im Kommunismus: Disposable Time

„Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine “ungeheure Warensammlung”, die einzelne Ware als seine Elementarform.“ So beginnt Karl Marx Das Kapital. Aber wie erscheint eigentlich der Reichtum kommunistischer Gesellschaften? Allgemein akzeptiert ist eine Definition, die in den Theorien über den Mehrwert und im Maschinenfragment auftaucht: Disposable Time … Zeit für Muße, Zeit für Entwicklung der Fähigkeiten, Zeit, die nicht gearbeitet werden muss. Aber warum verwendet Marx nicht den Terminus verfügbare Zeit? Das kommt daher, dass die Idee von einem englischsprachigen Publizisten stammt, dessen Identität Marx nicht einmal kannte.

Weiterlesen