Schuften im Boss-Mode

Je weniger man das Gefühl hat, vom Chef rumkommandiert zu werden, desto größer die Jobqualität; so lautet eine einfache Rechnung. Aber stimmt der Zusammenhang überhaupt? Oder nutzen Unternehmen hier nur einen Trick, um Aufgaben, die früher durch gut bezahltes, qualifiziertes Führungspersonal erledigt wurden, auf die einfachen Angestellten abzuwälzen?
Yoko Asuyama von der Waseda-Universität in Japan hat den Zusammenhang vergleichend für 20 Länder untersucht. Für Marxist*innen ist die Frage dahingehend interessant, dass bürgerliche Kritiker*innen behaupten, die Marxsche Entfremdung könne allein auf Industriearbeiter*innen im Taylorismus zutreffen, die keine Autonomie über ihre konkreten Aufgaben besäßen. Mit der modernen Gesellschaft und die Abflachung von Hierarchien hingegen, würden die Arbeiter*innen auch weniger entfremdet.

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Diagnose: Entfremdung

„Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag.“ lässt im Film The Country Girl Drehbuchautor George Seaton den Sänger Bing Crosby sagen. Alltag im Kapitalismus, das heißt vor allen Dingen Entfremdung. Entfremdung von anderen Menschen, wenn man in seiner Büroparzelle Aufträge abarbeitet; Entfremdung von der Arbeit, wenn Druck und Fremdbestimmung jede Tätigkeit zur Last werden lassen; Entfremdung von der Natur, wenn einem eigentlich egal ist, woher Essen und Kleidung kommen, Hauptsache sie sind bezahlbar. Es wird kaum verwundern, dass so ein Dauerzustand krank machen kann. Im Scandinavian Journal of Public Health entwarfen Emil Oversveen und Conor A. Kelly einen kurzen Abriss über die Entfremdungstheorie in der Gesundheitspsychologie. Sie arbeiteten Leerstellen des klassischen psycho-sozialen Ansatzes heraus und zeigten auf, wie marxistische Theorie in der Lage ist, diese zu füllen.

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