Von der „Wissenschaft“ zum „Kapital“

⋄ Manolis Dafermos untersucht in seinem in Capital & Class erschienenen Aufsatz „Rethinking the Relationship between Marx´s Capital and Hegel´s Science of Logic: The Tradition of creative Soviet Marxism“ die Auseinandersetzung mit Hegel und Marx in der Sowjetunion.

⋄ Bereits Lenin betonte die Wichtigkeit des Hegel-Studiums für Kommunist*innen und Marxist*innen. Allerdings ist nicht leicht verständlich, was von Hegel gelernt werden könnte.

⋄ Daher ist dieser Artikel eine Vorbesprechung zur „Wissenschaft der Logik“ von Hegel, die an drei Punkten zeigen möchte, was von Hegel zu gewinnen ist.

⋄ Die drei Aspekte sind das Problem des Anfangs, wie aus wenigen Annahmen mehr Wissen gewonnen werden kann und welche Bedeutung die dialektischen Grundgesetze haben.

Wir leben momentan in Zeiten des Krieges und seit Lenin ist es guter Brauch für Marxist*innen, sich nicht im Parteiengezänk darüber zu ergehen, welcher Teilnehmer das größere Schwein sei, sondern seinen Hegel zu studieren. Anlass bietet der in der Capital & Class erschienene Aufsatz „Rethinking the Relationship between Marx´s Capital and Hegel´s Science of Logic: The Tradition of creative Soviet Marxism“ von Manolis Dafermos. Der Autor untersucht also, welche Verbindung es zwischen Hegels Wissenschaft der Logik und dem Kapital von Karl Marx gibt und welche Rolle diese Verbindung in der Sowjetunion spielte. Da dieser Blog auch immer darstellen möchte, warum bestimmte Fragen für Kommunist*innen und Marxist*innen interessant sein könnten, seien der eigentlichen Rezension eine kurze Einführung in das Werk Hegels und die Verarbeitung von Marx und Engels vorangestellt. Wichtig ist diesem Artikel keine ausführliche Besprechung der Wissenschaft, sondern eine kurze Skizzierung der darunterliegenden Denkprozesse.

1. Warum ist das für Marxist*innen interessant?

Hegels Wissenschaft der Logik ist ein tolles Buch, um Argumentieren und argumentatives Denken zu lernen. Zudem ist es ein Klassiker der Philosophie. Allerdings möchte ich mich auf drei Punkte konzentrieren, warum neben dem Kapital auch Hegels Wissenschaft in der ganz normalen Alltagsdiskussion wichtig sein könnten.

1.1 Das Problem des Anfangs

Wie für jede Theorie gilt auch für die Kritik der politischen Ökonomie Ockhams Messer: Je weniger Annahmen ich benötige, desto stichhaltiger die Theorie; desto weniger Einwände kann der politische Gegner berechtigt vortragen. Darüber hinaus ist es insbesondere für politische Theorien wichtig, dass der Wahrheitswert dieser Annahmen breit geteilt wird. Hegel stellte sich die Aufgabe für den Gegenstand der Logik noch komplizierter. Es sollten garkeine Annahmen getroffen werden, da jede Annahme bereits etwas Vermitteltes sei und damit nie zum Ursprung des Denkens gelangen könne. Hegel beschreibt im Vorwort lesenswert die Problemstellung des Anfangs, der sich auch Marxist*innen stellen müssen. Oder anders gesagt: Warum musste Marx ausgerechnet das 1. Kapitel des Kapitals so kompliziert schreiben?

1.2 eine Argumentation entwickeln

Benutze ich nur wenige Annahmen, so stellt sich ein weiteres Problem. Die wenigen Annahmen sollen möglichst viel erklären. Mit Hilfe logischer Schlussfolgerungen soll aus den Annahmen mehr folgen, als auf den ersten Blick in diesen drin steckte. Ist also philosophisch möglich, was in der Physik der Erste Satz der Thermodynamik verbietet: Aus wenig viel machen; viel Wissen aus wenig Annahmen zu generieren? Das ist alles andere als selbstverständlich.

Hegel zeigt auf, wie sich aus jeglicher Abwesenheit von Bestimmungen erste Bestimmungen erschließen lassen. Diese Bestimmungen führen zu einem Netz neuer, die sogar auf den Anfangspunkt rückwirken.

Für seine grundlegende Argumentation benötigt Marx wiederum sehr wenig Bestimmungen: die Ware und der Charakter der Arbeit in ihren jeweiligen Doppelbestimmungen werden der Realität entnommen, der Rest folgt mit Hilfe logischer Argumentation (So wollte Marx beispielsweise die Konkurrenz nicht unterstellen, sondern aus der Warenform entwickeln).

Wenn sich aus wenig Annahmen mehr Wissen generieren lässt, so ist dies auch zeitlich möglich. Wir nennen diese eine begründete Prognose. Welchen Charakter und welche Genauigkeit eine Prognose hat, kann man jedoch nur abschätzen, wenn man weiß, wie die Methode hinter der Prognose funktioniert.

1.3 Was Hegel (vielleicht) nicht ist

Dialektik genießt zuweilen einen schlechten Ruf, da sie als starres Schema von These – Antithese – Synthese gilt, die beliebig jedem Gegenstand übergestülpt werden kann. Andere behaupten, dass den Marxismus gerade die Dialektik von der bürgerlichen Wissenschaft abgrenze. Und nicht zuletzt der Gegenstandpunkt beschrieb die Dialektik als eine Methode von Marxisten, Leuten Meinungen unterzujubeln, die sie gar nicht haben.

Hegel entwickelt in der Wissenschaft der Logik keine Methode, die man anwenden kann, sondern sie zeigt, wie sich die Denkbewegung an sich vollzieht, wenn man logisch mit den aller abstraktesten Gegenständen beginnt. Sie wendet die Regeln der formalen Logik an, um zu zeigen, dass sie durch ihre Anwendung über sich hinaus gehen. Damit gibt es keine dialektische Wissenschaft, die starr von der bürgerlichen getrennt wäre, sondern die marxistische Wissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie die bürgerliche Wissenschaft a) in ihrem Anfang und b) konsequent umsetzt. Oder wie Marx es in der Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie bemerkt: „man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!“ (Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, S.381). Die einfachste Darstellung dialektischen Denkens ist wahrscheinlich in der Wissenschaft der Logik dargelegt.

2. Die Wissenschaft der Logik bei Hegel und Marx

2.1 Das Problem des Anfangs …

… bei Hegel

Hegel sah das Problem des Anfangs so einfach, dass er „keiner Vorbereitung und keiner weiteren Einleitung“ bedürfe. Und dies ist ernst gemeint. Wenn Logik und Wissenschaft an sich erklärt werden sollen, darf natürlich kein Wissen über diese Gegenstände vorausgesetzt werden. Voraussetzungslos anzufangen ist in der Praxis jedoch schwierig. Jeder Mensch trägt einen Rucksack mit Erfahrungen, Vorwissen und Erwartungen mit sich herum, die er stillschweigend vor jeder Argumentation in den Gegenstand hineindenkt. Ob sich dieses Vorwissen als begründet erweist, soll sich jedoch erst durch die Entwicklung zeigen lassen.

Hegel setzt an den Anfang aller Logik das Sein, das einfache bestimmungslose Sein. Einfaches Sein übersteigt die Vorstellungskraft des Menschen. Man kann sich nur Seiendes vorstellen, jedoch nicht das reine Sein. Reines Sein hat keine Bestimmung, keine Eigenschaft, keine Grenze. An nichts können sich unsere Gedanken festhalten. Aber es ist das voraussetzungsloseste Denkbare. Man merkt, wie schwierig der einfachste Gedanke ist.

Wenn das reine Sein jedoch ein Anfang ist, was Hegel in der Argumentation zu zeigen versucht, dann ist das reine Sein bereits nicht mehr rein, sondern bezieht sich auf etwas. Ein Anfang bezieht sich ja immer auf Folgendes.

„Durch diesen Fortgang denn verliert der Anfang das, was er in dieser Bestimmtheit, ein Unmittelbares und Abstraktes überhaupt zu sein, Einseitiges hat; er wird ein Vermitteltes, und die Linie der wissenschaftlichen Fortbewegung macht sich damit zu einem Kreise. – Zugleich ergibt sich, daß das, was den Anfang macht, indem es darin das noch Unentwickelte, Inhaltslose ist, im Anfange noch nicht wahrhaft erkannt wird und daß erst die Wissenschaft, und zwar in ihrer ganzen Entwicklung, seine vollendete, inhaltsvolle und erst wahrhaft begründete Erkenntnis ist.“

(Hegel, S,71)

Da sich aus dem unvermittelten Sein alles weitere entwickelt, bezieht sich alles entwickelte auf dieses Sein als Anfang. Im Sein als Anfang steckt also schon die ganze entwickelte Welt, selbst in seiner Unvermitteltheit.

… bei Marx

Marx setzt an den Anfang seiner Kritik der politischen Ökonomie die Ware, obwohl das Buch das Kapital heißt. Erst nach drei Kapiteln geht Marx auf das Kapital ein. Man kann hier mit Hegel erläutern:

„Wenn man etwa, gegen die Betrachtung des abstrakten Anfangs ungeduldig, sagen wollte, es solle nicht mit dem Anfange angefangen werden, sondern geradezu mit der Sache, so ist diese Sache nichts als jenes leere Sein; denn was die Sache sei, dies ist es, was sich eben erst im Verlaufe der Wissenschaft ergeben soll, was nicht vor ihr als bekannt vorausgesetzt werden kann.“

(Hegel, S.75)

Das Kapital als solches ist also nicht voraussetzungslos genug, um mit ihm zu beginnen, es kann nicht der Anfang sein. Der Anfang muss noch abstrakter gedacht werden. Er ist die Ware. Da es sich bei Marxens Gegenstand um die konkrete politische Ökonomie und nicht um die abstrakte Logik als solche handelt, ist die Ware nicht wie das Sein bestimmungslos, sondern besitzt zwei Bestimmungen. Zum einen kann man sie gebrauchen, sie besitzt Gebrauchswert, zum anderen kann man sie tauschen, sie besitzt Tauschwert. Diese beiden Bestimmungen sind nicht voraussetzungslos. Sie ergeben sich aus der menschlichen Praxis. Niemand wird bestreiten, dass Güter in der kapitalistischen Gesellschaft gebraucht und getauscht werden. Jedoch nicht notwendigerweise. Wir kennen Gesellschaften oder subgesellschaftliche Systeme, in denen nicht getauscht wird. Das macht die Ware nicht zu einem allgemeinen Gegenstand, sondern einen spezifisch historischen.

Und jetzt kommt die weitere Analogie zu Hegel. Wenn sich zeigen lässt, dass sich logisch aus der Warenform die Kapitalform entwickeln lässt, dann ist damit auch gezeigt, dass das Kapital bereits in der Warenform beinhaltet ist. Eine Ware, welche noch kein Kapital ist, muss Kapital werden. Soll der Kapitalismus aufgehoben werden, muss die Warenform aufgehoben werden. Nicht weniger radikal ist die Kritik von Marx. Und darum beginnt Marx auch mit der Ware, obwohl es den sinnlichen Einstieg erschwert.

2.2 Dialektische Entwicklung oder aus Weniger Mehr machen …

… bei Hegel

Schauen wir uns zweitens an, wie Hegel seinen Gegenstand dialektisch entwickelt. Das bekannteste Beispiel hierfür ist das erste Kapitel zum Sein, Nichts und Werden. Die eigentliche Argumentation ist nur anderthalb Seiten lang, die Anmerkungen dahinter machen den Text zehnmal länger.

Der Anfang muss also das bestimmungslose Sein sein. Das reine Sein hat keinen Inhalt und keine Grenze. Es ist mit nichts anderem gleich und es ist von nichts anderem unterschieden. Könnte man es bestimmen oder vergleichen, wäre es nicht mehr reines Sein. „Das Sein, das unbestimmte Unmittelbare ist in der Tat Nichts und nicht mehr noch weniger als Nichts.“ (S.83)

Wir haben alleine durch die Definition des reinen Seins einen zweiten Begriff gewonnen: das reine Nichts. Das reine Nichts ist ebenso bestimmungslos wie das reine Sein, hat keine Grenze und keinen Vergleich. Sein und Nichts sind jedoch ebenso Unterschiede und zwar absolute. Sie sind ihr jeweiliges Gegenteil. Sein und Nichts können jedoch nicht gleichzeitig Identität und Gegenteil sein. Die Logik zwingt also zu einer weiteren Bestimmung, damit dieser Widerspruch aufgehoben werden kann. Und diese Aufhebung ist das Werden. Werden ist die Einheit von Sein und Nichts, in dem das Nichts ins Sein übergeht oder das Sein ins Nichts. Der Punkt hierbei ist, dass wir bereits drei Begriffe haben. Wir haben aus dem reinen Sein das reine Nichts und das reine Werden gewonnen. Unser Begriffsapparat ist durch die logische Selbstbewegung der Begriffe mächtiger geworden und Hegel kann nun mit dem um das Dreifache gewachsenen neuen Universum weiter argumentieren.

… bei Marx

Schauen wir uns die Selbstbewegung der Begriffe bei Marx an. Der Bestimmungen der Ware, Tausch- und Gebrauchswert zu sein, müssen nicht erst gewonnen werden, sie wurden durch die menschliche Praxis erzeugt. Marx argumentiert, dass zwar beide Wertformen in der Ware zugleich existieren, aber sich gegenseitig ausschließen. Wenn ich eine Ware besitze, die ich tauschen möchte, dann brauche ich sie nicht. Ich würde sie sonst selbst nutzen. Wenn eine Ware wiederum Gebrauchswert für mich hat, dann tausche ich sie nicht weg.

Nun ist jeder Gebrauchswert verschieden. Ein Fisch hat den Gebrauchswert, gegessen werden zu können; ein Stuhl, um auf ihm zu sitzen. Ein Tausch macht also nur dann Sinn, wenn ich einen Gebrauchswert möchte, den ich selbst nicht habe. Ich tausche G (Gebrauchswert 1) – G´ (Gebrauchswert 2). Da beide Gebrauchswerte jedoch völlig verschieden sind und die einzige Gemeinsamkeit zwischen beiden die ist, ein menschliches Bedürfnis zu erfüllen, müssen sie in etwas drittem verglichen werden: im Tauschwert.

Der Tauschwert abstrahiert dabei von jeglichem konkreten Nutzen, er setzt nur das Maß fest, in welchem Waren gegeneinander getauscht werden. Er ist eine reine Quantität. Der Tausch sieht somit aus: G – T (Tauschwert) – G‘. Das ist aber nur die Sicht eines der beiden Tauschenden. Für den anderen sieht der Tausch genau entgegengesetzt aus. T – G‘-T. Für die zweite Person ist der Tausch vollkommen tautologisch. Er ging mit Tauschwert in den Tausch hinein und kommt mit dem identischen Tauschwert zurück. Vielmehr birgt sich ihm die zusätzliche Gefahr, die neue Ware, deren Tauschwert er besitzt (und an deren Gebrauchswert er kein Interesse hat) vielleicht garnicht absetzen zu können. Es gibt für diese zweite Person also nur eine einzige Motivation, überhaupt zu tauschen und das ist, mehr Tauschwert zu erhalten, als er zu Anfang einbrachte: T – G‘- T‘. Nun hat er aus weniger Tauschwert mehr Tauschwert gemacht. Aus geringerer Quantität mehr Quantität. Er hat einen Gewinn erzielt. Er hat seine Ware als Kapital genutzt.

Vielen wird diese vereinfachte Argumentation bekannt vorkommen. Der Punkt ist, dass sich aus der Selbstbewegung des Begriffs der Ware der Begriff des Kapitals entwickelt hat. Es zeigt sich, dass im Begriff der Ware bereits der Begriff des Kapitals angelegt ist.

Alle Argumente sind streng logisch und die Tauschenden agieren streng rational. Kritiker*innen könnten einwenden, dass jede Person ja frei sei, anders zu handeln, aber welche Möglichkeiten bestehen: Sie könnten entweder das Gleiche tauschen oder sie könnten Mehr für Weniger hergeben. Beides Ausnahmefälle, die den jeweiligen Menschen wohl keine dauerhafte Existenz bescheren würden. Die Selbstbewegung der Begriffe wird nicht wie bei Hegel durch den Geist bewirkt, sondern durch die menschliche Praxis.

2.3 Die dialektischen Grundgesetze: Was Hegel nicht ist oder vielleicht doch …

Friedrich Engels hat in seiner „Dialektik der Natur“ drei Grundgesetze der Dialektik aufgestellt, die bis heute teilweise scharf kritisiert und teilweise romantisch geliebt werden:

„das Gesetz des Umschlagens von Quantität in Qualität und umgekehrt;

das Gesetz von der Durchdringung der Gegensätze;

das Gesetz von der Negation der Negation.“ (Engels, S. 348)

Eine Lektüre der „Wissenschaft der Logik“ hilft, diese Grundgesetze zu verstehen und einzuordnen. Es soll kurz gezeigt werden, dass alle drei Grundgesetze bei der Entwicklung des Seins in Nichts und Werden bereits angewendet wurden.

Das Gesetz des Umschlagens von Quantität in Qualität sei am einfachsten binär ausgedrückt. Das reine sein enthält keinerlei Bestimmung, ist also 0. Das reine Nichts enthält ebenso keine Bestimmung, ist also ebenfalls 0. Das reine Sein und das reine Nichts sind aber Gegensätze, indem Sein ist, also 1 ist, und Nichts nicht ist, also 0 ist. 1 kann aber nicht 0 sein und muss daher umschlagen in eine neue Qualität, das Werden, in dem gerade 0 zu 1 oder 1 zu 0 wird.

Das Gesetz von der Durchdringung der Gegensätze ist eigentlich ein Widerspruch zum bürgerlichen Satz des ausgeschlossenen Dritten, der besagt, dass A=B und A=/ B nicht gleichzeitig existieren können. Sein ist Nichts, aber auch zugleich ist es nicht das Nichts, sondern sein Gegenteil. Beides Sätze existieren wahr nebeneinander. Sie enthalten jedoch eine Spannung, die den Widerspruch aufhebt und zwar im Werden. Die Aufhebung des Widerspruchs stellt dann die Gültigkeit der logischen Regel wieder her, da durch die Aufhebung A =/ A, also das reine Sein garnicht mehr das reine Sein ist, weil es über das werden zum Nichts vermittelt wird. Diese Denkbewegung ist die, die Engels als „Gesetz von der Negation der Negation“ bezeichnet.

Zusammenfassung

Man sieht: Die Hegelsche Dialektik ist keine von der bürgerlichen Logik unvermittelt getrennte Methode, sondern sie stellt deshalb einen Widerspruch zur bürgerlichen Logik her, in dem sie diese von ihrem Anfang aus denkt und das konsequent. Und innerhalb der daraus resultierenden Denkbewegung werden die Gesetze wiederhergestellt, aber auf konkreterer Stufe.

Marx kritisiert die bürgerliche Ökonomie ganz ähnlich. Er wirft ihren Vertretern sehr selten vor, Sachen nicht richtig erkannt zu haben oder schlicht Idioten zu sein, sondern die Ökonomie nie in ihrem Anfang zu fassen und von dort aus zu entwickeln. Die bürgerliche Ökonomie nimmt die Konkurrenz immer als bereits Gesetztes und niemand wird leugnen, dass es im Kapitalismus Konkurrenz gibt. Die Kritik ist die, dass Konkurrenz nicht der Ursprung ist, dass der Mensch nicht von Natur aus des Menschen Wolf ist, sondern das ein spezifisches historisches Verhältnis ihn dazu macht. Wissenschaftlichen Sozialist*innen muss also immer bewusst sein, dass sie in Einheit und Differenz zur bürgerlichen Wissenschaft argumentieren und forschen. Im nächsten Artikel wird ein Aufsatz besprochen, der erkundet, wie die sowjetische Forschung sich mit der Hegelschen Dialektik und ihrem Einfluss auf das Werk Marxens auseinandersetzte.

Literatur

Engels, F. (1962): Dialektik der Natur. In. Marx-Engels-Werke. Band 20. Berlin (Ost): Dietz. S.305-520.

Hegel, G.W.F. (2012): Wissenschaft der Logik. In: Werke 5 & 6. 9. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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