Warum niedrige Löhne nicht zu mehr Investitionen führen

Mit Javier Milei wurde in Argentinien 2023 ein Popstar der Ultraliberalen und Rechtspopulisten zum Präsidenten gewählt. Er versprach nicht nur, den Staat mit der Kettensäge zu stutzen, sondern vor allen Dingen die Inflation zu bekämpfen. Sein Plan: Durch Senkung der Lohnkosten und Steuern sollten die Profite steigen und so zu neuen Investitionen führen. Die damit einhergehende Ausweitung des Warenangebots könne demnach mit der Geldmengenausweitung Schritt halten, wodurch der Peso stabil bleibe. Allerdings ist die einfache Gleichung Profit = Kapitalakkumulation umstritten. In vielen Ländern des Globalen Südens wurde auf eine „Krise der Überprofitabilität“ oder das „Puzzle der Profite ohne Investitionen“ hingewiesen. Carlos Ibarra versuchte am Beispiel Mexikos dieses Puzzle zusammenzusetzen.

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Eine neue marxistische Inflationstheorie

Inflation ist in der tagespolitischen Diskussion das wohl bedeutendste und umstrittenste Thema der Wirtschaft. Außenhandel, Industrialisierung, Sparen oder Konsum … alles hängt ganz wesentlich von der Geldwertstabilität ab. Umso kritischer, dass marxistische Theorien und Kritiken noch nicht so recht Eingang in die Debatte gefunden haben. Stavros Mavroudeas und Athanasios Chatzirafailidis behaupten, das liege daran, dass die marxistische Theorie noch keine konsistente, wirklich auf dem Arbeitswert beruhende Erklärung der Inflation gefunden habe. Mit Hilfe der Marxschen Reproduktionsschemata aus Kapital Band II wollen diese beiden nun die Lücke schließen.

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Gewinner des Deutscher-Preises 2025 und kleines Redaktionsranking (5)

Am 7. November gab die Jury des Isaac-und-Tamara-Deutscher-Preises den diesjährigen Siegertitel bekannt. Sie kürte Bruno Leipolds „Citizen Marx: Republicanism and the Formation of Karl Marx’s Social and Political Thought“ zum interessantesten marxistischen Titel des Jahres 2025. Damit bilden sie einen Trend in der Marx-Forschung ab, der sich stark mit den republikanischen Wurzeln von Marx selbst und den Widersprüchen von Kapitalismuskritik und der Anerkennung bürgerlichen Fortschritts auseinandersetzt.

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Deutscher-Preis-Shortlist 2025 (4): Christopher Hill – Vom Stalinisten zum Oxford-Dekan

2003 starb der britische Marxist Christopher Hill und es ist schon verwunderlich, dass erst 22 Jahre nach seinem Tod die erste Biographie über ihn erschien. Michael Braddick nahm sich des längst überfälligen Projekts an. „The Life of a Radical Historian“ erschien bei Verso und wurde für den Isaac-und-Tamara-Deutscher-Preis nominiert; einem Preis, den Hill als Mitgründer ins Leben rief.

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Abstrakte Arbeit und abstrakte Ausbeutung

David Laibman ist Gitarrenlehrer und Folksänger. Seinen Song Orange Blossom Special coverte sogar Johnny Cash. Er ist aber auch marxistischer Professor für Ökonomie. Seit 50 Jahren schon setzt er sich mit den Fragen der Arbeitswerttheorie und des Transformationsproblems auseinander. Er versucht dabei, die mathematische Konsistenz des sraffanischen Ansatzes mit dem Primat des Klassenkampfes zu verbinden. Hierfür führt er den Begriff der abstrakten Ausbeutung als Analogon zum abstrakten Wert ein.

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Meaningful Human Control: Die Marxistischen Blätter diskutieren zu KI

Während nur wenige Menschen die Relevanz der KI für die Einschätzung der zeitgenössischen politischen Ökonomie anzweifeln werden, ist der Möglichkeitsraum dennoch zu groß für sinnvolle wissenschaftliche oder politische Abschätzungen. Vom Platzen der Blase bis zur Industrie 5.0 scheint alles möglich. Die Marxistischen Blätter haben dennoch versucht, einige Theorieansätze – etwa von Dietmar Dath oder Peter Schadt – zusammenzuführen.

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Deutscher-Preis-Shortlist 2025 (2): Marx-gegen-Engels-Werke

Die letzten Jahre von Marx gelten im Allgemeinen als recht unproduktiv. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn immer wieder zu längeren Pausen. Dem zweiten und dritten Band des Kapitals schien er teilweise kaum noch die rechte Aufmerksamkeit widmen zu können. Kevin Anderson behauptet aber, diese Ansicht werde dem Gesamtwerk von Marx nicht gerecht. Hat er im Anschluss an seine Dekonstruktion der kapitalistischen Herrschaftsweise im Kapital sogar vielmehr zu sagen zu Kolonialismus, Patriarchat und Widerstand, als wir vermuten? Andersons The Late Marx’s Revolutionary Roads findet sich auf der Shortlist für den Deutscher-Preis 2025.

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Klimawandel als Milliardengeschäft für die imperialistischen Staaten

Der Klimawandel ist eine der großen zivilisatorischen Herausforderungen unserer Zeit. Die kapitalistische Produktionsweise ist dabei, alle planetarischen Grenzen zu sprengen; womöglich noch bevor sie gesellschaftlich überwunden wird. Was der freie Markt zerstört, soll er auch wieder reparieren, lautet die Logik der westlichen Regierungen und so erdachte man sich das System des Emissionshandels. Doch selbst Greta Thunberg ist über jahrelange Auseinandersetzung mit den globalen Folgen der unzureichenden Klimapolitik auf die tiefe Verbindung von Imperialismus und Umweltzerstörung gestoßen. Lässt sich auch beziffern, wie stark der Westen vom Emissionshandel profitiert?

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