Deutsche Kommunistische Debatte (4): Eine „Regierung des Friedens“?

Die zunehmende Breite der Friedensbewegung stellt die marxistische Linke jedoch auch vor Herausforderungen. Nicht nur bleibt die Frage offen, mit wem man zusammen auf die Straße gehen kann. Auch die strategische Perspektive der Friedensbewegung ist umkämpft. Schließlich ist die revolutionäre Linke alleine zu schwach, um dem Monopolkapital irgendetwas entgegenzusetzen. Die DKP hat auf dem letzten Parteitag eine Handlungsorientierung beschlossen, auf die ein friedenspolitisches Strategiepapier folgte. Bei der Vorstellung in Baden-Württemberg löste der stellvertretende Vorsitzende Björn Blach jedoch eine Kontroverse aus, indem er den Begriff einer „Regierung des Friedens“ ins Feld führte. In unregelmäßigen Abständen druckt das Parteiorgan „Unsere Zeit“ seither Beiträge die sich kritisch mit diesem Begriff auseinandersetzen.

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Radhika Desai und der Wert der Multipolarität

Radhika Desai argumentierte in der diesjährigen Erinnerungsvorlesung an David Gordon, die jährlich von der Union of Radical Political Economists organisiert wird, warum sie Multipolarität als Schritt zum Sozialismus begreift. Ins Zentrum rückt sie dabei eine nur wenig rezipierte Kritik von Marx an Henry Carey, die den Grundrissen angehängt ist

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Meaningful Human Control: Die Marxistischen Blätter diskutieren zu KI

Während nur wenige Menschen die Relevanz der KI für die Einschätzung der zeitgenössischen politischen Ökonomie anzweifeln werden, ist der Möglichkeitsraum dennoch zu groß für sinnvolle wissenschaftliche oder politische Abschätzungen. Vom Platzen der Blase bis zur Industrie 5.0 scheint alles möglich. Die Marxistischen Blätter haben dennoch versucht, einige Theorieansätze – etwa von Dietmar Dath oder Peter Schadt – zusammenzuführen.

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Ein spät gehobener Schatz: Daschkowskis Kritik an Isaak Rubin

Neben David Ryazanov steht der Name Isaak Iljitsch Rubin wie kein zweiter für eine bis in die späten 1920er aktive und zur herrschenden Politik oppositionelle Marxrezeption in Sowjetrussland und der Sowjetunion. Seine Kritiker in der Sowjetunion hingegen sind weitgehend vergessen. Helmut Dunkhase hat in der Zeitung Под знаменем марксизма – Unter dem Banner des Marxismus einen Artikel eines seiner Gegner – Ilja Daschkowski – gefunden und ins Deutsche übersetzt.

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Neujahrsrede für das Jahr 2025: Daths Vorwort zu „Kommunisten heute“

Wenn Dietmar Dath programmatische Texte verfasst, dann hat er sich dafür in den letzten Jahren insbesondere ein Genre herausgesucht: das Vorwort. Dath schreibt nicht gerade selten Vorworte und nicht alle sind programmatisch, aber wenn Dath dazu noch einen seinerseits programmatischen Text einführt, dann kann man sich sicher sein, dass er sehr Grundsätzliches sagen möchte. der DKP-nahe Neue Impulse-Verlag gab „Kommunisten heute“ von Hans Heinz Holz erneut heraus.

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Ist Elon Musk ein neuer Feudalherr?

Das Interview von Elon Musk mit Alice Weidel auf X hat im Vorfeld der Bundestagswahl für einigen Trubel gesorgt. Letztendlich war es sehr anbiedernd, langweilig und teilweise auch grotesk. Man denke nur an die Behauptung, Hitler sei eigentlich Kommunist gewesen. Dennoch hat viele überrascht, welche Aufmerksamkeit der reichste Mann der Welt der AfD zuteil werden lässt. Welche Rolle Musk genau in der Trump-Administration einnehmen wird, ist noch ungewiss. Mit seinem Anarcholiberalismus sticht er jedenfalls aus den Reihen des amerikanischen Monopolkapitals heraus. Manche wähnen in ihm bereits einen neuen Feudalherren, einen Fürsten, dessen Privatmeinung längst die traditionellen ideologischen Instrumente des Monopolkapitals abgelöst hat.

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Spengler, Russland und der historische Materialismus

Die deutsche Presse entdeckte ein halbes Jahr nach der Intervention in der Ukraine eine neue Affinität der russischen Intellentsia zu Oswald Spengler und seinem Opus Magnum „Das Untergang des Abendlandes“. Man unterstellte, dass in Russland die Thesen eines selbstverschuldeten Untergangs des Westens und der Notwendigkeit eines neuen Cäsarentums zur Rechtfertigung des Angriffskrieges übernommen worden seien. Ruslan Dzarasov setzte sich in der aktuellen Ausgabe der Voprosi Politicheskoi Ekonomii (Näheres hier) mit Spengler und einer historisch-materialistischen Analyse seiner Geschichtsmorphologie auseinander.

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Deutsche Kommunistische Debatten (2/2): Die KO, die Klarheit und der Maoismus

Im Zuge der quantitativen und qualitativen Veränderung der kommunistischen Bewegung in den letzten Jahren werden zur Zeit einige Debatten vertieft geführt, um Themen und Strategien für die Zukunft abzustecken. Der Teil der Kommunistischen Organisation, der die kommunistische.org-Domain weiter betreut, hat etwa auf seinem Kommunismus-Kongress mit roten Gruppen über den gemeinsamen Parteiaufbau diskutiert. Dabei zeigten sich auch Differenzen in der Bewertung des Maoismus auf, den einige rote Gruppen noch als Grundlage oder Inspiration ihrer Arbeit betrachten. In einer ausführlichen Auseinandersetzung kritisierte die KO jüngst sowohl theoretische, historische wie taktische Gesichtspunkte des Maoismus.

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Deutsche Kommunistische Debatte (1/2): die DKP, der Faschismus und die antimonopolistische Strategie

In den letzten Jahren hat die kommunistische Szene in Deutschland einen massiven Wandel erlebt. Sie ist nicht nur größer geworden, sondern entsprechend der sich verändernden globalen Kräfteverhältnisse und ihrer Auswirkungen auf Deutschland haben sich auch Strukturen, Themen und Strategien gewandelt. Hier sollen zwei aktuelle Debatten beleuchtet werden. Eine findet in der DKP und eine in der KO(.org) statt und beide haben sehr unterschiedlichen Charakter, obwohl sie miteinander verflochten sind. Teil 1 von 2.

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Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zum utopischen Realismus (2/2)

Im letzten Beitrag wurde die Veröffentlichung der COMMONISM-Forschungsgruppe in der Review of Evolutionary Economics vorgestellt. Eingerahmt wurde diese von einigen Beiträgen zum wissenschaftlichen Potential von Utopien. Dabei ging es sowohl um Utopie als wissenschaftliche Methode, als auch die Diskussion um verschiedene utopische Modelle jenseits des Kapitalismus, zum Beispiel um Distributionsprobleme cyberkommunistischer Planwirtschaftsmodelle.

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