Profite trotz Krise? Das Patriarchat macht’s möglich

Der Kapitalismus ist eine patriarchale Herrschaftsform, sagen die einen. Nein, er ist blind gegenüber dem Geschlecht und sucht nur nach Profitmaximierung, sagen die anderen. Beide haben Recht, wenn man den entsprechenden Analyserahmen anlegt, sagt die Social Reproduction Theory. Denn die Bourgeoisie maximiert ihre Profite nicht im luftleeren Raum oder der kapitalistischen Gesellschaft in ihrem idealen Durchschnitt, sondern unter den von ihr vorgefundenen konkreten gesellschaftlichen Bedingungen. Und hier bedienen sich die Kapitalisten gerne der bestehenden sexistischen und rassistischen Strukturen oder akuten Ereignisse, wie etwa der Corona-Pandemie. Shahram Azhar und Aabida Ali untersuchten, wie patriarchale Strukturen den Zulieferbetrieben der Textilindustrie und großen Modeketten dabei halfen, mit gestiegenen Profitraten aus der der Krise während der Pandemie zu kommen.

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„Am Ende des Tages stehen wir am Check Point vor israelischen Männern.“: die Tal’at-Bewegung

Als 2019 in ganz Palästina Tausende gegen Femizide und familiäre Gewalt gegen Frauen auf die Straße gingen, schwappte die so genannte Tal’at-Bewegung auch auf die Diaspora über und vernetzte weltweit feministische Organisationen in einem losen, aber breiten Solidaritätsnetzwerk. Federica Stagni hat in der Critical Sociology den Zusammenhang zwischen politischer Unterdrückung in Palästina und die Unterdrückung der Frau analysiert. Über Besatzung und Intersektionalismus.

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Die Social Reproduction Theory … über Lohn und Hausarbeit

Die sogenannte Social Reproduction Theory hält unbezahlte Reproduktionsarbeit für systemimmanent und untersucht die Bedingungen, unter welchen sie eine bestimmte Form annimmt. Dem zugrunde liegt die Feststellung, dass jede Produktion auch immer wieder eine Erneuerung und Erweiterung ihrer eigene Bedingungen benötigt und die Reproduktionsarbeit demgemäß trotz des anarchischen Wettbewerbs der individuellen Willen mit Zwang koordiniert werden muss. Pedro M. Rey-Araújo vom Centre of Time-Use Research des University College Londons kartographierte in der New Political Economy die Social Reproduction Theory.

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Die politische Ökonomie der Heteronormativität (2/2)

„Privat können die Leute doch machen, was sie wollen. Es muss doch aber nicht dauernd öffentlich sein.“ Das ist eine der häufigsten Positionen, die Menschen zu queerer Politik einnehmen. Offene Feindschaft ist eher selten geworden, wenn auch vorhanden. Schmähungen finden auf den Fußballplätzen und in den Kneipen der Bundesrepublik noch statt, aber in den Medien oder der breiten Öffentlichkeit werden sie hart sanktioniert. Queere Aktivist*innen entgegnen, dass das Private auch immer politisch sei, aber näher erläutert wird dieser Satz selten. Duc Hien Nguyen zeigt auf, inwiefern Queerness in der sozialen Reproduktion eine Klassenfrage ist, was die Bourgeoisie daran feiert, was sie verdammt und warum vielfältige Reproduktionsstrategien der Arbeiter*innen ein Trumpf im Klassenkampf sind.

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Politische Ökonomie der Heteronormativität (1/2)

Manchmal muss man sich auch ein Jubiläum an den Haaren herbei ziehen. Die Review of Radical Political Economics feiert 50 Jahre feministische politische Ökonomie. Der Anlass ist kein festes Datum, sondern die Tatsache, dass 1972 noch 2% aller Professuren in den Wirtschaftswissenschaften von Frauen* besetzt waren und es an vielen Fakultäten kein Verständnis dafür gab, „wozu man Frauen oder Marxisten“ brauche.
Seither hat sich vieles geändert, wenn auch nicht alles. Feministische Forscher*innen haben entweder eigene Institute gegründet oder konnten Anerkennung in etablierten Einrichtungen gewinnen. Die Review of Radical Political Economics druckte daher einige Aufsätze zur zeitgenössischen Forschung aus diesen Gebieten ab. Zunächst widmen wir uns einem Aufsatz von Sirisha Naidu.

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Gendern auf Chinesisch

Im Westen tobt der Streit um Gendern und Identitätspolitik. Gibt es diese Debatte auch in der Volksrepublik China und wer führt sie? Ian Liujia Tian hat in der aktuellen Rethinking Marxism den Chinesischen Sozialistischen Feminismus CSF für ein westliches Publikum zugänglich gemacht. Sie argumentiert für eine Repolitisierung der Frauen*frage.

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Das allgemeine Gesetz der unbezahlten Hausarbeit

Marxismus und Feminismus – noch immer sind beide mehr Zweckgemeinschaft als Liebesheirat. Keiner kann ohne den anderen. Ohne grundsätzliche Kritik an der Gesellschaft kommt der Feminismus über Emma, Quote und Sichtbarkeit nicht hinaus. Ohne die Berücksichtigung der besonderen Untersrückung der Frau* kann sich der Marxismus nicht von einem weltfremden Schematismus lösen. Und doch kriselt es ständig. Jeder wirft dem anderen vor, Haupt- und Nebenwidersprüche zu vertauschen, das Primat falsch in Produktion oder Reproduktion zu erkennen. Dabei ist die Frage, wer den Müll raus bringt, wer die Schwiegermutter pflegt und wer zu Hause bei Kummer tröstet fest in der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx verwurzelt. Das will jedenfalls Carlos Alberto Duque Garcia aus Mexiko zeigen. Ziel seiner Studie war es, einen theoretischen Rahmen zur Analyse unbezahlter Hausarbeit unter dem Gesichtspunkt der allgemeinen Kapitalakkumulation zu artikulieren und mit empirischer Evidenz aus Mexiko zu stützen.

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Feminismus oder Feminismus?

Die Soziologin Myra Marx Ferree legte 2012 mit “Varieties of Feminism – German Gender Politics in Global Perspective” eine vergleichende Studie über die Frauenbewegungen in Deutschland, den USA und Großbritannien vor. Sie analysiert nun die Geschichte der Frauenbewegung in den USA, Großbritannien und Deutschland vor dem Hintergrund der unterschiedlichen politischen Traditionen, um deren Unterschiedlichkeit zu erklären. Ihre Analyse bietet einen Analyserahmen für die widersprüchlichen feministischen Positionen in der aktuellen Debatte um #LinkeMeToo.

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