Man kann es nicht oft genug messen: die Profitrate fällt

Es ist mal wieder an der Zeit, eine neue Studie zur Entwicklung der allgemeinen Profitrate vorzustellen. Bisher haben alle deutlich gezeigt, dass die Profitrate langfristig gefallen ist. Ozan Mutlu & Lefteris Tsoulfidis haben im aktuellen International Journal of Political Economy die Profitrate mit den vertrauten Daten der OECD gemessen, dabei aber nur die produktive Arbeit als wertbildend gerechnet. Für zwölf Länder haben sie damit seit 1995 wesentliche Größen der Kritik der politischen Ökonomie bestimmt.

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Brumaire 2.0: Marx zum Amerikanischen Bürgerkrieg

Marxens Texte über den Amerikanischen Bürgerkrieg sind in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen. Anders als etwa der Brumaire fallen diese Texte bereits in die Entstehungszeit des Kapitals, sodass Marx die politische Form bereits viel verzahnter mit der politischen Ökonomie analysierte. Matt Shafer stellte in der Political Theory diese Artikel und die Debatte darum vor.

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Gramsci kam nur bis Tunis

Die 1980er Jahre gelten als der Wendepunkt, ab dem säkulare Regime allmählich durch islamistische Bewegungen herausgefordert und abgelöst wurden. So setzten die von den Moscheen angeführten Brotaufstände in Tunesien 1984 unter Druck, die Erhöhung der Lebensmittelpreise zurückzunehmen. Sowohl die progressiv-islamische als auch die marxistische Intelligenz waren von der Wucht des Aufstands überrascht worden und diskutierten mit Gramscis Konzept des organischen Intellektuellen ihre eigene Rolle. Florian Keller skizzierte die Diskussion in den Interventions am Beispiel der beiden Journale Outruhat und Revue 21/15 nach.

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Sind informelle Arbeiter*innen in Afrika die neuen schlesischen Weber?

In Afrika formieren sich wieder politische und soziale Bewegungen, die antiimperialistisch ausgerichtet sind und die mit Verstaatlichungen, Preisfestsetzungen oder Lohnerhöhungen die unmittelbaren Interessen der Arbeiter*innen adressieren. Manch einer träum schon von neuen sozialistischen Revolutionen. Aber wer wäre das revolutionäre Subjekt? Die Industriearbeiterschaft ist marginal. Der Großteil arbeitet als formell freie, aber reell unter das Kapital subsummierte Bauern. Dazu kommen hunderte Millionen an Kleinhändlern. Können diese wirklich ein revolutionäres Klassenbewusstsein ausbilden?

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Weil Klatschen nicht reicht: Deutscher Care-Extraktivismus

Die COVID-Pandemie hat vielen Menschen wieder ins Bewusstsein gerufen, wie wichtig der Gesundheitssektor für die Gesellschaft ist. Dass allerdings der landesweite Applaus nicht reichen würde, wurde schnell kritisch geäußert. Die Arbeitsbedingungen mit Schichtdienst, zu wenigen Stellen pro Patient und eher geringen Löhnen hat dazu geführt, dass der Beruf seit Jahren kaum noch attraktiv für junge Menschen ist. Die Lücke zwischen benötigten Stellen und freien Arbeitskräften wächst beständig. Daher wirbt die Bundesregierung seit mehreren Jahren um ausländische Fachkräfte. Inwiefern es dabei wirklich so etwas, wie ein Ethical Recuitment gibt oder ob die Abwerbung dieser Arbeiter*innen nicht einen Brain Drain von der Peripherie in die Zentren verursacht, erörterten Tine Hanrieder und Leon Janauschek in der Review of International Political Economy.

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Wie müssen reden … über Ausbeutung

Für Marxist*innen ist Ausbeutung ein recht einfaches Konzept. Aber wenn Ausbeutung so abstrakt ist, wie sprechen wir dann richtig über Ausbeutung, wenn es konkret wird. Meist fällt dann nur vielen ein, was keine oder nicht nur Ausbeutung ist … besonders schlechte Arbeitsbedingungen, besondere miese Chefs oder besonders geringe Löhne. Damit ist aber keineswegs geklärt, wie denn unter den Bedingungen eines Weltmarktes, des Imperialismus, historisch gewachsener Formationen wie Patriarchat und Rassismus und den dynamischen Klassenverhältnissen das einfache Konzept Ausbeutung zur Erklärung realer politischer Phänomene sinnvoll verwandt werden kann. Die aktuelle Ausgabe der New Political Economy widmete sich genau dieser Frage. In einem Einführungsartikel rollte Nick Bernards das Feld der Einbettung der Ausbeutung in die globale politische Ökonomie auf.

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Progressive Putsche? Zur politischen Ökonomie in Mali, Burkina Faso und Niger

Ibrahim Traore ist seit zwei Jahren der neue Shooting Star der antiimperialistischen Linken. Seit 2020 sind dabei die Regierungen Malis, Burkina Fasos und Nigers zwar aus popularen Volksbewegungen, aber nicht aus demokratischen Wahlen hervorgegangen. Alle drei Länder werden zur Zeit durch Übergangsregierungen aus Mitgliedern der Militärs regiert. Chen Zhang und Maxence Poulin von den Universitäten in Beijing und Quebec untersuchten in der International Critical Thought, warum der Aufstand in Französisch-Westafrika diese politische Form annahm und welche Klassenbasis er besitzt.

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Zum Einfluss der Zinsrate auf Löhne

Die Aufweichung der Schuldenbremse war ein Husarenstück des rechten Flügels der CDU. Auf der einen Seite konnte man die Kosten der Aufrüstung, anstatt die Millionär*innen und Milliarde zur Kasse zu bitten, über die von den Steuern der Arbeiter*innenklasse bezahlten Zinsen, auf letztere abwälzen. Hinzu kommt: da die Geldware gerade reichlich vom Staat nachgefragt wird, steigen die Zinsen. Bau- und Konsumkredite knöpfen den ohnehin durch die Inflation betroffenen Proletarier*innen damit mehr vom Lohn ab als bisher. Dabei ist die Beziehung zwischen Löhnen und Zinsen gar nicht ganz so einfach zu verstehen, wie Riccardo Zolea im International Journal of Political Economy diskutierte.

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Die reelle Sub-Summ-tion der Biene unter das Kapital

Bienen gelten neben den Ameisen als das natürliche Gegenstück des Arbeiters. Aber so richtig stimmt die Metapher nicht. Nicht einmal Imker vermögen es, Bienen vollständig zu domestizieren. Das Kapital möchte diesen Zustand der Halbwildheit natürlich nicht einfach akzeptieren und womöglich noch die eigenen Profitinteressen der Bienengesundheit unterordnen. Smart Hives rücken bald mit allerhand Sensortechnik und Algorithmen den Schwärmen auf den Pelz, denn von der Bestäubung hängen riesige Agrarkonzerne ab. Richie Nimmo interpretierte in der Nature and Space diese Entwicklung als reelle Subsumtion unter das Kapital.

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