Lula ante Portas

Am Sonntag wird in Brasilien ein neuer Präsident gewählt. Der Sieg Lula da Silvas gilt hierbei als sicher. In den Umfragen liegt er weit vor dem rechtsradikalen Amtsinhaber Bolsonaro, dessen Amtszeit auch jenseits der Corona-Pandemie weithin als Katastrophe gilt. Doch Lula wird nicht nur die Hypotheken seines Vorgängers erben. Dass der sanfte Putsch gegen die Präsidentin der Arbeiterpartei PT Dilma Rousseff 2015/16 erfolgreich sein konnte, hatte Ursachen und diese sind nicht verschwunden.

Die Latin American Perspectives haben die komplette Oktoberausgabe Studien zur brasilianischen Politik, Gesellschaft und ökonomie gewidmet. Sie entwerfen ein Mosaik der Widersprüche eines Landes der Semiperipherie, in der Not und Reichtum dicht beieinander liegen.

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Wie der Imperialismus Wechselkurs hält

Hätte Karl Marx seinen Sechs-Bücher-Plan umsetzen können und einen Band über den Weltmarkt geschrieben, die Analyse der Wechselkurse hätte einen gewichtigen Teil ausgemacht. Manuel Martinez und Pietro Borsari haben in der New Political Economy einen analytischen Rahmen für die Abhängigkeit der Wechselkurse peripherer Staaten von den Ökonomien der kapitalistischen Zentren entwickelt und dies mit Daten aus Brasilien und Kolumbien gestützt. Sie zeigen auf, wie der Imperialismus Krisenphänomene in den imperialistischen Kernländern auslagern kann, ohne dass die untergeordneten Ökonomien dauerhaft profitieren und welche Rolle hier die Wechselkurse spielen.

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Zur Nichtaktualität von Ruy Mauro Marini

Die Debatte um den Charakter des Imperialismus ist im Moment voll entfacht. Die jeweiligen Antworten führen zu unterschiedlicher Positionierung in internationalen Konflikten. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, ob Länder außerhalb der westlichen kapitalistischen Zentren imperialistisch sind oder sein können. Eine in Südamerika populäre marxistische Theorie ist die des Subimperialismus von Ruy Mauro Marini (näheres hier). Rodrigo Luiz Medeiros da Silva untersuchte in den Latin American Perspectives verschiedene ökonomische Parameter Brasiliens im Hinblick auf die Vorhersagen Marinis. Er kommt zu dem Schluss, dass die empirischen Daten gegen die Subimperialismus-Theorie sprächen.

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Zur Aktualität des Denkens von Ruy Mauro Marini

Die aktuellen Latin American Perspectives beschäftigen sich in einer Doppelausgabe mit der Dialektik von Abhängigkeits- und Entwicklungstheorien. Sie stellen den Kampf um das Framing der Politik als einen Klassenkampf dar, indem die Bourgeoisie unter dem Label „Entwicklung“ durch kapitalistische Öffnung eine Annäherung an den Lebensstandard der westlichen Welt verspricht, während proletarische Organisationen gerade in der „Abhängigkeit“ vom Weltmarkt einen Angriff auf Arbeiter*innenrechte erblicken. Allen Autor*innen gemeinsam ist der Bezug auf einen Namen: Ruy Mauro Marini, der selbst 16 Jahre lang für das Journal arbeitete. In diesem Artikel sollen Leben und Werk Marinis unter der Frage vorgestellt werden, warum ausgerechnet er heute in der neomarxistischen Debatte in Lateinamerika eine so bedeutende Rolle spielt.

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