Gewinner des Deutscher-Preises 2025 und kleines Redaktionsranking (5)

Am 7. November gab die Jury des Isaac-und-Tamara-Deutscher-Preises den diesjährigen Siegertitel bekannt. Sie kürte Bruno Leipolds „Citizen Marx: Republicanism and the Formation of Karl Marx’s Social and Political Thought“ zum interessantesten marxistischen Titel des Jahres 2025. Damit bilden sie einen Trend in der Marx-Forschung ab, der sich stark mit den republikanischen Wurzeln von Marx selbst und den Widersprüchen von Kapitalismuskritik und der Anerkennung bürgerlichen Fortschritts auseinandersetzt.

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Deutscher-Preis-Shortlist 2025 (4): Christopher Hill – Vom Stalinisten zum Oxford-Dekan

2003 starb der britische Marxist Christopher Hill und es ist schon verwunderlich, dass erst 22 Jahre nach seinem Tod die erste Biographie über ihn erschien. Michael Braddick nahm sich des längst überfälligen Projekts an. „The Life of a Radical Historian“ erschien bei Verso und wurde für den Isaac-und-Tamara-Deutscher-Preis nominiert; einem Preis, den Hill als Mitgründer ins Leben rief.

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Deutscher-Preis-Shortlist 2025 (2): Marx-gegen-Engels-Werke

Die letzten Jahre von Marx gelten im Allgemeinen als recht unproduktiv. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn immer wieder zu längeren Pausen. Dem zweiten und dritten Band des Kapitals schien er teilweise kaum noch die rechte Aufmerksamkeit widmen zu können. Kevin Anderson behauptet aber, diese Ansicht werde dem Gesamtwerk von Marx nicht gerecht. Hat er im Anschluss an seine Dekonstruktion der kapitalistischen Herrschaftsweise im Kapital sogar vielmehr zu sagen zu Kolonialismus, Patriarchat und Widerstand, als wir vermuten? Andersons The Late Marx’s Revolutionary Roads findet sich auf der Shortlist für den Deutscher-Preis 2025.

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Vorsicht, Grenzkontrolle! Oder: Marxismus im Plural

Es gibt nach dem Ende der Orthodoxie kaum noch einen festen Kern marxistischer Theorie, der sich abgrenzen ließe, sondern eigentlich ist der Marxismus an sich bereits eine Grenztheorie, die in alle anderen Bereiche ausfranst. So jedenfalls fasst es Aditya Nigam in seinem Buch „Border-Marxisms and Historical Materialism“ auf. Das Buch wurde für den Isaac-Deutscher-Preis nominiert, erhielt diesen aber nicht. Zu Recht?

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Die Anatomie des Grammophons

Der Dokumentarfilmer, Autor und Lehrer Michael Chanan zeichnete in seinem Buch From Printing to Streaming die technische Entwicklung der Medienindustrie nach und zeigte auf, wie die materielle Basis der Kunst immer wieder neue ideologische Formen schuf, die auf ihre technische Basis zurückspiegelten. Das Buch wurde für den Isaac-Deutscher-Preis 2023 nominiert, konnte sich jedoch nicht gegen Heide Gerstenbergers Market and Violence durchsetzen.

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Isaac-Deutscher-Preis 2023: Heide Gerstenbergs „Market and Violence“

Heide Gerstenberger von der Universität Bremen hat in diesem Jahr als erste Frau seit 1986 und erste*r deutsche*r Autor*in überhaupt den bekanntesten marxistischen Wissenschaftspreis – den Isaac-und-Tamara-Deutscher-Preis – gewonnen. In ihrem Buch Market and Violence, der englischen Übersetzung von Markt und Gewalt. Die Funktionsweise des historischen Kapitalismus (2019)beschreibt sie, wie der Kapitalismus in allen seinen Phasen, von der ursprünglichen Akkumulation bis zum entwickelten Imperialismus immer fundamental auf Gewalt beruhte, und zwar nicht nur im Sinne eines passiven Herrschaftsverhältnisses, sondern in Form von unmittelbarer, blutiger und historisch einmaliger Gewalt. Eine Rezension.

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Grenzbereiche des Marxismus

Zum Abschluss der kleinen Serie über die Nominierungen des diesjährigen Isaac-und-Tamara-Deutscher-Preises sollen die letzten beiden Bücher kurz angerissen werden, welche die Jury in Betracht gezogen hat. Bei beiden Büchern handelt es sich um um die Teilmenge von Marxismus und anderen linken Diskursen. Silvia Federici wollte ausloten, was der Marxismus dem Feminismus sagen kann und was nicht. Kolja Lindner stellte sich die Frage, ob der Marxismus eurozentristisch sei und wenn ja, was an ihm.

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