Man kann es nicht oft genug messen: die Profitrate fällt

Es ist mal wieder an der Zeit, eine neue Studie zur Entwicklung der allgemeinen Profitrate vorzustellen. Bisher haben alle deutlich gezeigt, dass die Profitrate langfristig gefallen ist. Ozan Mutlu & Lefteris Tsoulfidis haben im aktuellen International Journal of Political Economy die Profitrate mit den vertrauten Daten der OECD gemessen, dabei aber nur die produktive Arbeit als wertbildend gerechnet. Für zwölf Länder haben sie damit seit 1995 wesentliche Größen der Kritik der politischen Ökonomie bestimmt.

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Weil Klatschen nicht reicht: Deutscher Care-Extraktivismus

Die COVID-Pandemie hat vielen Menschen wieder ins Bewusstsein gerufen, wie wichtig der Gesundheitssektor für die Gesellschaft ist. Dass allerdings der landesweite Applaus nicht reichen würde, wurde schnell kritisch geäußert. Die Arbeitsbedingungen mit Schichtdienst, zu wenigen Stellen pro Patient und eher geringen Löhnen hat dazu geführt, dass der Beruf seit Jahren kaum noch attraktiv für junge Menschen ist. Die Lücke zwischen benötigten Stellen und freien Arbeitskräften wächst beständig. Daher wirbt die Bundesregierung seit mehreren Jahren um ausländische Fachkräfte. Inwiefern es dabei wirklich so etwas, wie ein Ethical Recuitment gibt oder ob die Abwerbung dieser Arbeiter*innen nicht einen Brain Drain von der Peripherie in die Zentren verursacht, erörterten Tine Hanrieder und Leon Janauschek in der Review of International Political Economy.

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In Wagenknechts Theorie der linken Identitätspolitik stimmt (fast) nichts

Anfang des Jahres 2024 spaltete sich das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ als Gruppe von der Linksfraktion im Bundestag ab, um anschließend eine neue Partei zu gründen. Neben der Unzufriedenheit über die unklaren friedenspolitischen Positionen ging der Trennung ein Gründungsmythos voraus, nach dem sich eine einst arbeiter*innenzentrierte Linke immer mehr urbanen, akademischen Milieus angenähert habe. Aber lässt sich diese Darstellung überhaupt belegen? Alexander Horn, Jonathan Klüser, Simon Rittershaus und Martin Haselmayer haben sie die wichtigsten Parteidokumente von SPD, Grünen und PDS/LINKE. angeschaut und kommen zu einem klaren Ergebnis.

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Die Auto-Monopolkonzerne leben auf Kosten ihrer Zulieferer

Gewerkschaften sehen den Erfolg der deutschen Automobile eher in der Lohnzurückhaltung der Arbeiter*innen begründet und verlangen ein größeres Stück vom Kuchen; das Kapital teilt die Prämisse, pocht aber auf Wettbewerbsfähigkeit. Was allerdings die gesamte Wertschöpfungskette zum Erfolg der Autobauer beitrug, das wurde geflissentlich vernachlässigt. Manuel Gracia Santos, Miguel Montanyá und María J. Paz haben sich in der Review of Radical Political Economics mit Hilfe einer Input-Output-Analyse die gesamte Wertschöpfungskette der deutschen Automobilindustrie angeschaut.

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Wie die Pyramide der EU von der polnischen Arbeiterklasse gebaut wird

In der kommunistischen Bewegung ist seit längerem ein Streit darüber entfacht, ob das imperialistische Weltsystem nun eine Konfrontation zwischen verschiedenen Blöcken sei oder eine Pyramide, anderen Spitze zwar die westlichen Staaten stehen, unterhalb derer sich aber eine Reihe von eigenen Ausbeutungsbeziehungen zwischen den Ländern erstrecken. Ganz maßgeblich zur zweiten Ansicht hat die Theorie vom ungleichen Tausch aus der Feder Arghiri Emmanuels beigetragen. Die beiden griechischen Ökonom*innen George Economakis und Maria Socrates Markaki haben auf Grundlage seiner Theorie untersucht, welche ökonomischen Abhängigkeiten innerhalb der EU bestehen.

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Bildhaft Unrecht gesprochen: Metaphern im KPD-Prozess 1956

Angelegenheit. Es war ein öffentliches Ereignis. Die Bundesrepublik veröffentlichte den ersten Band der Prozessdokumente noch während des Verfahrens und jeder Bundesbürger erhielt sie auf Anforderung sogar kostenlos. Das Verbot sollte das Adenauer-Regime klar politisch im Kalten Krieg definieren und jeder sollte es wissen. Kein Wunder also, dass Anklage und Verteidigung sich nicht auf juristische Argumente beschränkten, sondern mit einer möglichst öffentlichkeitswirksamen Sprache die Stimmung außerhalb des Gerichtssaals beeinflussen wollten. Timo Pankakoski von der Universität im finnische Turku hat die Metaphorik in den Prozessakten des KPD-Verbots genauer untersucht.

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Die Wertkritik im globalen Bürgerkrieg

Die Krisen des Kapitalismus spitzen sich aktuell immer dichter zu militärischen Konflikten zu. Ob in der Ukraine, in Israel und Palästina oder an den Grenzen Chinas. Überall stehen Pulverfässer oder sind bereits explodiert, obwohl die bürgerliche Politik nach Ende des Kalten Krieges ein Zeitalter des Friedens heranbrechen zu sehen glaubte. Marxist*innen stellt sich hierbei nicht nur die Frage, wie man sich in diesen Konflikten positionieren soll, sondern auch, wie sie eigentlich mit dem Kapitalismus zusammenhängen.

Einen Ansatz hierfür lieferte die etwa zur Jahrtausendwende populär gewordene Wertkritik rund um ihren bekanntesten Kopf Robert Kurz. Frederick Harry Pitts von der Universität in Exeter rekapitulierte im European Journal of Social Theory die Ansichten der Wertkritik über das Verhältnis von Gewalt und Kapital. Über den globalen Bürgerkrieg.

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Vergangenheitsbewältigung nach DIN

Während es im 19. Jahrhundert viele Begriffe aus den deutschsprachigen Wissenschaften Eingang in den englischen Wortschatz fanden – man denke nur an Zeitgeist, Weltschmerz oder Blitzkrieg – haben das in den letzten 70 Jahren nur wenige geschafft. Einer davon ist der Begriff Vergangenheitsbewältigung. Johannes Schulz von der Universität in Luzern hat unter Berufung auf verschiedene Vertreter der Frankfurter Schule und ihrer Interpretation von Sigmund Freuds Theorie der Psychoanalyse idealistische und materialistische Vergangenheitsbewältigung unterschieden. Sein Aufsatz erschien in der Philosophy und Social Criticism.

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Isaac-Deutscher-Preis 2023: Heide Gerstenbergs „Market and Violence“

Heide Gerstenberger von der Universität Bremen hat in diesem Jahr als erste Frau seit 1986 und erste*r deutsche*r Autor*in überhaupt den bekanntesten marxistischen Wissenschaftspreis – den Isaac-und-Tamara-Deutscher-Preis – gewonnen. In ihrem Buch Market and Violence, der englischen Übersetzung von Markt und Gewalt. Die Funktionsweise des historischen Kapitalismus (2019)beschreibt sie, wie der Kapitalismus in allen seinen Phasen, von der ursprünglichen Akkumulation bis zum entwickelten Imperialismus immer fundamental auf Gewalt beruhte, und zwar nicht nur im Sinne eines passiven Herrschaftsverhältnisses, sondern in Form von unmittelbarer, blutiger und historisch einmaliger Gewalt. Eine Rezension.

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En VoC: Vergleichende Kapitalismusanalyse in Griechenland

Konrad Sobczyk von der Universität in Manchester hat jüngst in der New Political Economy eine Analyse der griechischen politischen Ökonomie in Rahmen des Konzepts der vergleichenden Kapitalismusanalyse angefertigt. Insbesondere der Begriff des „internen Fluchtpotentials aus der Abhängigkeit“ könnte ein Schlüssel für ein Verständnis der Sichtweise der KKE sein.

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