Klimawandel als Milliardengeschäft für die imperialistischen Staaten

Der Klimawandel ist eine der großen zivilisatorischen Herausforderungen unserer Zeit. Die kapitalistische Produktionsweise ist dabei, alle planetarischen Grenzen zu sprengen; womöglich noch bevor sie gesellschaftlich überwunden wird. Was der freie Markt zerstört, soll er auch wieder reparieren, lautet die Logik der westlichen Regierungen und so erdachte man sich das System des Emissionshandels. Doch selbst Greta Thunberg ist über jahrelange Auseinandersetzung mit den globalen Folgen der unzureichenden Klimapolitik auf die tiefe Verbindung von Imperialismus und Umweltzerstörung gestoßen. Lässt sich auch beziffern, wie stark der Westen vom Emissionshandel profitiert?

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Wie müssen reden … über Ausbeutung

Für Marxist*innen ist Ausbeutung ein recht einfaches Konzept. Aber wenn Ausbeutung so abstrakt ist, wie sprechen wir dann richtig über Ausbeutung, wenn es konkret wird. Meist fällt dann nur vielen ein, was keine oder nicht nur Ausbeutung ist … besonders schlechte Arbeitsbedingungen, besondere miese Chefs oder besonders geringe Löhne. Damit ist aber keineswegs geklärt, wie denn unter den Bedingungen eines Weltmarktes, des Imperialismus, historisch gewachsener Formationen wie Patriarchat und Rassismus und den dynamischen Klassenverhältnissen das einfache Konzept Ausbeutung zur Erklärung realer politischer Phänomene sinnvoll verwandt werden kann. Die aktuelle Ausgabe der New Political Economy widmete sich genau dieser Frage. In einem Einführungsartikel rollte Nick Bernards das Feld der Einbettung der Ausbeutung in die globale politische Ökonomie auf.

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Die reelle Sub-Summ-tion der Biene unter das Kapital

Bienen gelten neben den Ameisen als das natürliche Gegenstück des Arbeiters. Aber so richtig stimmt die Metapher nicht. Nicht einmal Imker vermögen es, Bienen vollständig zu domestizieren. Das Kapital möchte diesen Zustand der Halbwildheit natürlich nicht einfach akzeptieren und womöglich noch die eigenen Profitinteressen der Bienengesundheit unterordnen. Smart Hives rücken bald mit allerhand Sensortechnik und Algorithmen den Schwärmen auf den Pelz, denn von der Bestäubung hängen riesige Agrarkonzerne ab. Richie Nimmo interpretierte in der Nature and Space diese Entwicklung als reelle Subsumtion unter das Kapital.

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The Word for Value is Forest

Menschen arbeiten. Das ist klar. Sie arbeiten im Wesentlichen in der Gesellschaft und für die Gesellschaft. Die gegenwärtige Gesellschaft setzt alle Arbeiten im Geld gleich, wodurch sie austauschbar werden, meist in der Form von Waren. So weit, so gängig. Aber arbeitet auch eine Biene, indem sie Honig macht und die Blumen bestäubt? Arbeitet ein Baum, der Kohlenstoffdioxid bindet und Holz liefert? Arbeit ein See, indem er die Fische reproduziert und uns Kühlung verschafft? Oder arbeitet die Erde, indem sie aus Generationen abgestorbener organischer Substanzen Erdöl presst?

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Eine kleine Geschichte des Huhns im Kapitalismus

Wäre der Spätkapitalismus eine Mahlzeit, so wäre er sehr wahrscheinlich ein Chicken Nugget. Da mittlerweile fast alle Restbestandteile eines Huhns im Nugget verarbeitet werden können, wurde der konkrete Inhalt sogar so beliebig gegenüber seiner Form geworden, dass vegane Chicken Nuggets quasi nicht vom „Original“ zu unterscheiden sind. Doch nicht nur das Chicken Nugget ist ein hochverarbeitetes Produkt. Das Huhn selbst hat 250 Jahre Kapitalismus auch nicht ohne Veränderung überstanden.

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Wie erneuerbare Energien den Kolonialismus in Mexiko erneuern

Vergangene Woche wurde mit Claudia Sheinbaum nicht nur die erste Präsidentin Mexikos und zugleich die erste jüdische Präsident*in Südamerikas gewählt, sondern auch eine ausgebildete Klimaforscherin. Sie gilt als Ziehtochter des scheidenden Präsidenten Obrador, dessen Politik sie weiterzuführen versprach; außer, dass sie den energiepolitischen Fokus noch stärker auf erneuerbare Energien setzen wolle. Sheinbaum versprach dabei, weniger auf die Kräfte des Marktes zu setzen, private Beteiligungen am Energiemarkt zu deckeln und staatlich Milliarden zu investieren. Dass der Ausbau der erneuerbaren Energien in einem multiethnischen Land mit bis heute prägender kolonialer Geschichte ein riesiges politisches Problem ist, zeigte Carlos Tornel von der Universität in Durkham.

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Es geht voran, Herr Sraffa

Über Karl Marx und Friedrich Engels weiß man eines, wenn man auch sonst nichts weiß. Beide waren der Fortschrittsgläubigkeit verfallen. Die permanente Entwicklung und ständige Revolutionierung der Produktionsmittel war nach ihrer Auffassung der Motor der Geschichte.
Michael Gaul hat in der Review of Radical Politcal Economics die Kritik am Marxschen Fortschrittsmodell einer gründlichen Revision unterzogen. Er zeigte, dass die meiste Kritik aus einem ungenügenden Verständnis der ökonomischen Theorie von Marx resultiert. Die fundierteren Einsprüche wiederum lassen sich empirisch widerlegen.

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A las blockadas: Zur Aneignung der Zirkulationsmittel (2/2)

Blockaden sind ein politisches Kampfmittel, um die Zirkulation von Menschen, Gütern, Informationen und Kapital zu unterbrechen und neu zu organisieren. Insbesondere die Straßenblockaden der Letzten Generation wurden in den vergangenen Monaten kritisch diskutiert. In diesem zweiten Artikel über das Symposium „Auf der Blockade: Geographien von Zirkulation und Kampf“ des Antipode-Journals für kritische Geographie sollen weitere Beiträge vorgestellt und ein Fazit gezogen werden. Was kann man vor dem Hintergrund der verschiedenen Zugänge zum Thema Blockaden für eine Analyse der Aktionen der Letzten Generation mitnehmen?

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A las blockadas: Zur Aneignung der Zirkulationsmittel (1/2)

Über die Straßenblockaden der Letzten Generation ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und sehr kontrovers diskutiert worden. Die Letzte Generation ist jedoch nicht die erste Generation die Blockaden als politisches Mittel nutzt. Das kritische Geographie-Journal Antipode hat zum Thema Blockaden das Symposium „Auf der Blockade: Geographien von Zirkulation und Kampf“ organisiert. Dort wurde das Thema unter verschiedenen theoretischen, historischen und disziplinären Zugängen aufgerollt. In der aktuellen Ausgabe wurde nun die Beiträge veröffentlicht. In diesem und dem folgenden Artikel sollen die diese nachskizziert werden. Zum Schluss werden die Proteste der Letzten Generation innerhalb der dargestellten Betrachtungen verortet.

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Who cares for the Planners?

Ein Gespenst geht um in der Kalkulationsdebatte: es ist das Gespenst des Technikoptimismus. Die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet des maschinellen Lernens und des digitalen Kapazitätsausbaus lassen immer mehr Genoss*innen vom digitally automated luxury communism träumen. Angesichts der multiplen Krisen des globalen Kapitalismus und der Unfähigkeit des Marktes, die Klimakrise zu bewältigen, haben sich demokratische Planwirtschaftskonzepte entwickelt, die auf weitgehende Digitalisierung als Tor zu breiter Partizipation setzen.
Christoph Sorg von der Ruhruniversität in Bochum fragt jedoch, ob hier nicht zu kurz gedacht wird. Wie viel Kapitalismus steckt in der Digitalisierung, den man auch nicht mehr herausbekommt? Diese Frage diskutierte er in der aktuellen Critical Sociology. Er schaute sich die aktuelle Literatur zur Debatte an und fokussierte sich auf die Berücksichtigung der Reproduktionsarbeit und den Umgang mit den Ressourcen der Natur.

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