Ordnung in die Anarchie des Marktes bringen

Bürgerliche Ökonomen wie Keynes wollten den Kapitalismus nicht beseitigen, sondern seine Potentiale durch die richtige Ordnung voll ausschöpfen. Doch sie ärgerte, dass dieser Kapitalismus, den sie durchdrungen zu haben glaubten, immer wieder in tiefe Krisen stürzte. Und so übten sie moralische Kritik an der Unvernunft der Besitzenden, deren Verstoß gegen diese oder jene Regularien am Ende alle in die Krise stürzten. Nikolaos Chatzarakis und Persefoni Tsaliki haben sie die Keynesianische Krisentheorie etwas genauer angesehen und argumentieren, was die Postkeynesianer schon bei Marx hätten lernen können: dass nicht die Anarchie, sondern die Ausbeutung das Problem ist.

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Warum niedrige Löhne nicht zu mehr Investitionen führen

Mit Javier Milei wurde in Argentinien 2023 ein Popstar der Ultraliberalen und Rechtspopulisten zum Präsidenten gewählt. Er versprach nicht nur, den Staat mit der Kettensäge zu stutzen, sondern vor allen Dingen die Inflation zu bekämpfen. Sein Plan: Durch Senkung der Lohnkosten und Steuern sollten die Profite steigen und so zu neuen Investitionen führen. Die damit einhergehende Ausweitung des Warenangebots könne demnach mit der Geldmengenausweitung Schritt halten, wodurch der Peso stabil bleibe. Allerdings ist die einfache Gleichung Profit = Kapitalakkumulation umstritten. In vielen Ländern des Globalen Südens wurde auf eine „Krise der Überprofitabilität“ oder das „Puzzle der Profite ohne Investitionen“ hingewiesen. Carlos Ibarra versuchte am Beispiel Mexikos dieses Puzzle zusammenzusetzen.

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Wie was wo wächst: globale Akkumulationsregime

Phänomenologisch nennen wir konkrete Systeme der Profitmaximierung Akkumulationsregime, die nicht nur eine Antwort auf den Stand der nationalen Klassenkämpfe und Produktivkraftentwicklung sind, sondern auch auf die Zumutungen des Weltmarkts. Diese Akkumulationsregime wirken wiederum auf die Klassenverhältnisse zurück und damit auch auf das Klassenbewusstsein, sodass sich viele politische Erscheinungen auf die jeweiligen Akkumulationsregime zurückführen lässt.
Die aktuelle Ausgabe des European Journal of Economics and Economic Policies hat verschiedene Aufsätze zur Analyse verschiedener Wachstumsregime versammelt. Insbesondere die Weltfinanzkrise von 2008 hat hier eine überwältigende Dynamik in Gang gesetzt.

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Kolumbien und die Cambridge-Gleichung

In der Review of Radical Political Economics veröffentlichte Carlos Alberto Duque Garcia
von der Universidad Autonoma Metropolitana aus Azcapotzalco, Mexico eine Studie zum tendenziellen Fall der Profitrate Kolumbiens. Solche Studien gibt es wie Sand am Meer. Nun ist Garcias Studie aber weder wegen der konkreten Analyse der Profitrate interessant, noch die spezielle Anwendung auf Kolumbien. Trotz der politischen Sonderstellung Kolumbiens als engster Verbündeter der USA und trotz des lang anhaltenden Bürgerkriegs gegen die FARC reiht sich die kolumbianische Ökonomie in ein typisches Muster südamerikanischer Staaten ein. Garcia hat untersucht, ob sich die so genannte Cambridge-Gleichung, die sich sowohl aus der Marxschen als auch aus der Keynesianischen Theorie herleiten lässt, empirisch bestätigen lässt. Und Garcia ging noch einen Schritt weiter. Mit einer Impuls-Response-Analyse konnte er nachweisen, dass die Marxsche Herleitung empirisch konsistenter ist als die bürgerliche. Wie hat er das gemacht?

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