Die japanische Debatte um eine marxistische Krisentheorie

Während in Schulbüchern Marx noch gerne eine Krisen- oder Zusammenbruchstheorie angedichtet wird, ist es längst zum Konsens geworden, dass er eine solche Theorie nicht eindeutig herausgearbeitet hat und noch keine weiterführende Theoriebildung allgemeine Anerkennung gefunden hat. Auch in Japan wurde die Marxsche Krisentheorie ausgiebig geführt. Kei Ehara stellte in der History of Economics Review zwei Debatten des japanischen Marxismus vor, die einerseits auf diesen beiden Typen beruhen, sie aber auch transzendieren.

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Ein spät gehobener Schatz: Daschkowskis Kritik an Isaak Rubin

Neben David Ryazanov steht der Name Isaak Iljitsch Rubin wie kein zweiter für eine bis in die späten 1920er aktive und zur herrschenden Politik oppositionelle Marxrezeption in Sowjetrussland und der Sowjetunion. Seine Kritiker in der Sowjetunion hingegen sind weitgehend vergessen. Helmut Dunkhase hat in der Zeitung Под знаменем марксизма – Unter dem Banner des Marxismus einen Artikel eines seiner Gegner – Ilja Daschkowski – gefunden und ins Deutsche übersetzt.

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Vorsicht, Grenzkontrolle! Oder: Marxismus im Plural

Es gibt nach dem Ende der Orthodoxie kaum noch einen festen Kern marxistischer Theorie, der sich abgrenzen ließe, sondern eigentlich ist der Marxismus an sich bereits eine Grenztheorie, die in alle anderen Bereiche ausfranst. So jedenfalls fasst es Aditya Nigam in seinem Buch „Border-Marxisms and Historical Materialism“ auf. Das Buch wurde für den Isaac-Deutscher-Preis nominiert, erhielt diesen aber nicht. Zu Recht?

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Pavel Campeanu und seine Kritik des Stalinismus

Während etwa die bürgerliche Rechte in so ziemlich jedem sozialistischen Land, in dem die Führung der kommunistischen Partei verfassungsmäßig verankert ist, den Stalinismus walten sieht, orientiert sich die Linke eher phänomenologisch und opportunistisch. In den Stalinismus werden irgendwie alle Prozesse des sozialistischen Umbaus ausgelagert, die man unschön findet. Ein seriöses Konzept ist das nicht. In der Thesis Eleven beschäftigte sich Emanuel Copilas von der Universität in Timisora mit der Stalinismus-Analyse des lange vergessenen Marxisten Pavel Campeanu. Gegen Ende des sozialistischen Rumäniens verfasste dieser zu diesem Thema Werke, die aktuell wieder neue Aufmerksamkeit erfahren.

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Klappt fast überall: eine Analyse zur Edition der Kapitel zum tendenziellen Fall der Profitrate durch Engels (2/2)

Die Debatte darum, wie stark Engels entgegen seiner besten Absichten, den dritten Kapitalband so nah wie möglich an den Marxschen Manuskripten zu orientieren, Gedanken von Marx doch verändert hat, existiert eigentlich schon mit der Veröffentlichung 1894. Seitdem die Manuskripte nun auch vollständig verfügbar sind, hat sich die Debatte nochmal intensiviert. Insbesondere das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate steht dabei im Mittelpunkt des Interesses, hat Marx dieses doch selbst als das wichtigste Gesetz der modernen Ökonomie bzw. das wichtigste Gesetz vom historischen Standpunkt aus bezeichnet. Chrstos Balomenos von der Nationalen und Kapodistrias-Universität in Athen, hat Kapital Band 3 und die Manuskripte Zeile für Zeile untersucht und die Veränderungen durch Engels im Detail bewertet.

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Spengler, Russland und der historische Materialismus

Die deutsche Presse entdeckte ein halbes Jahr nach der Intervention in der Ukraine eine neue Affinität der russischen Intellentsia zu Oswald Spengler und seinem Opus Magnum „Das Untergang des Abendlandes“. Man unterstellte, dass in Russland die Thesen eines selbstverschuldeten Untergangs des Westens und der Notwendigkeit eines neuen Cäsarentums zur Rechtfertigung des Angriffskrieges übernommen worden seien. Ruslan Dzarasov setzte sich in der aktuellen Ausgabe der Voprosi Politicheskoi Ekonomii (Näheres hier) mit Spengler und einer historisch-materialistischen Analyse seiner Geschichtsmorphologie auseinander.

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Deutsche Kommunistische Debatten (2/2): Die KO, die Klarheit und der Maoismus

Im Zuge der quantitativen und qualitativen Veränderung der kommunistischen Bewegung in den letzten Jahren werden zur Zeit einige Debatten vertieft geführt, um Themen und Strategien für die Zukunft abzustecken. Der Teil der Kommunistischen Organisation, der die kommunistische.org-Domain weiter betreut, hat etwa auf seinem Kommunismus-Kongress mit roten Gruppen über den gemeinsamen Parteiaufbau diskutiert. Dabei zeigten sich auch Differenzen in der Bewertung des Maoismus auf, den einige rote Gruppen noch als Grundlage oder Inspiration ihrer Arbeit betrachten. In einer ausführlichen Auseinandersetzung kritisierte die KO jüngst sowohl theoretische, historische wie taktische Gesichtspunkte des Maoismus.

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Deutsche Kommunistische Debatte (1/2): die DKP, der Faschismus und die antimonopolistische Strategie

In den letzten Jahren hat die kommunistische Szene in Deutschland einen massiven Wandel erlebt. Sie ist nicht nur größer geworden, sondern entsprechend der sich verändernden globalen Kräfteverhältnisse und ihrer Auswirkungen auf Deutschland haben sich auch Strukturen, Themen und Strategien gewandelt. Hier sollen zwei aktuelle Debatten beleuchtet werden. Eine findet in der DKP und eine in der KO(.org) statt und beide haben sehr unterschiedlichen Charakter, obwohl sie miteinander verflochten sind. Teil 1 von 2.

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Marxismus und Antisemitismus

Die Historical Materialism versammelte in einer Doppelausgabe verschiedene Aufsätze, welche die Ferne von Marxismus und Antisemitismus nicht als gegeben betrachten. Das bedeutet nicht, dass die Autor*innen Marxist*innen per se unterstellen, antisemitisch zu sein. Aber sie erkennen in der großen Mehrheit doch eine Problemlage an. Sind solche Ansätze auch fruchtbar? An dieser Stelle sollen einige der Aufsätze vorgestellt werden.

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Was bringt eigentlich die Theorie des ungleichen Tauschs?

Über den ökonomischen und ökologischen ungleichen Tausch entspinnt sich seit Jahren eine Debatte, sowohl über seine Funktionsmechanismen, als auch politische Konsequenzen. Die Capitalism Nature Socialism dokumentierte stellvertretend einen Streit zwischen Andrea Ricci, Alf Horborg und Peter Sommerville (hier bereits dokumentiert). Jüngst veröffentlichte Ricci in diesem Journal eine erneute Antwort, in der er insbesondere die Bedeutung des ungleichen Tausches für die internationale soziale Bewegung diskutierte.

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