Mehr Brutto vom Netto in der Profitratenmessung

Wie viel Wert gibt eine Maschine, die vor 20 Jahren angeschafft wurde und vielleicht von der Buchhaltung sogar schon abegschrieben wurde, noch an die Waren ab? Keinen mehr? Den gleichen wie vor 20 Jahren? Den analogen Wert einer gleichwertigen neuen Maschine? Wenn es die noch gibt. Und wie soll man an die entsprechenden Daten kommen? In ihrer Studie für das World Review of Political Economy diskutieren die griechischen Politökonomen Dimitris Paitaridis und Lefteris Tsoulfidis die verschiedenen Möglichkeiten. Die Wahl des Kapitalstockmaßes ist dabei keine technische Petitesse, sondern entscheidet maßgeblich darüber, ob der langfristig fallende Trend der Profitrate sichtbar wird oder statistisch verschleiert bleibt.

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Die japanische Debatte um eine marxistische Krisentheorie

Während in Schulbüchern Marx noch gerne eine Krisen- oder Zusammenbruchstheorie angedichtet wird, ist es längst zum Konsens geworden, dass er eine solche Theorie nicht eindeutig herausgearbeitet hat und noch keine weiterführende Theoriebildung allgemeine Anerkennung gefunden hat. Auch in Japan wurde die Marxsche Krisentheorie ausgiebig geführt. Kei Ehara stellte in der History of Economics Review zwei Debatten des japanischen Marxismus vor, die einerseits auf diesen beiden Typen beruhen, sie aber auch transzendieren.

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Radhika Desai und der Wert der Multipolarität

Radhika Desai argumentierte in der diesjährigen Erinnerungsvorlesung an David Gordon, die jährlich von der Union of Radical Political Economists organisiert wird, warum sie Multipolarität als Schritt zum Sozialismus begreift. Ins Zentrum rückt sie dabei eine nur wenig rezipierte Kritik von Marx an Henry Carey, die den Grundrissen angehängt ist

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Warum niedrige Löhne nicht zu mehr Investitionen führen

Mit Javier Milei wurde in Argentinien 2023 ein Popstar der Ultraliberalen und Rechtspopulisten zum Präsidenten gewählt. Er versprach nicht nur, den Staat mit der Kettensäge zu stutzen, sondern vor allen Dingen die Inflation zu bekämpfen. Sein Plan: Durch Senkung der Lohnkosten und Steuern sollten die Profite steigen und so zu neuen Investitionen führen. Die damit einhergehende Ausweitung des Warenangebots könne demnach mit der Geldmengenausweitung Schritt halten, wodurch der Peso stabil bleibe. Allerdings ist die einfache Gleichung Profit = Kapitalakkumulation umstritten. In vielen Ländern des Globalen Südens wurde auf eine „Krise der Überprofitabilität“ oder das „Puzzle der Profite ohne Investitionen“ hingewiesen. Carlos Ibarra versuchte am Beispiel Mexikos dieses Puzzle zusammenzusetzen.

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Deutscher-Preis-Shortlist 2025 (2): Marx-gegen-Engels-Werke

Die letzten Jahre von Marx gelten im Allgemeinen als recht unproduktiv. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn immer wieder zu längeren Pausen. Dem zweiten und dritten Band des Kapitals schien er teilweise kaum noch die rechte Aufmerksamkeit widmen zu können. Kevin Anderson behauptet aber, diese Ansicht werde dem Gesamtwerk von Marx nicht gerecht. Hat er im Anschluss an seine Dekonstruktion der kapitalistischen Herrschaftsweise im Kapital sogar vielmehr zu sagen zu Kolonialismus, Patriarchat und Widerstand, als wir vermuten? Andersons The Late Marx’s Revolutionary Roads findet sich auf der Shortlist für den Deutscher-Preis 2025.

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Sind informelle Arbeiter*innen in Afrika die neuen schlesischen Weber?

In Afrika formieren sich wieder politische und soziale Bewegungen, die antiimperialistisch ausgerichtet sind und die mit Verstaatlichungen, Preisfestsetzungen oder Lohnerhöhungen die unmittelbaren Interessen der Arbeiter*innen adressieren. Manch einer träum schon von neuen sozialistischen Revolutionen. Aber wer wäre das revolutionäre Subjekt? Die Industriearbeiterschaft ist marginal. Der Großteil arbeitet als formell freie, aber reell unter das Kapital subsummierte Bauern. Dazu kommen hunderte Millionen an Kleinhändlern. Können diese wirklich ein revolutionäres Klassenbewusstsein ausbilden?

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Zum Einfluss der Zinsrate auf Löhne

Die Aufweichung der Schuldenbremse war ein Husarenstück des rechten Flügels der CDU. Auf der einen Seite konnte man die Kosten der Aufrüstung, anstatt die Millionär*innen und Milliarde zur Kasse zu bitten, über die von den Steuern der Arbeiter*innenklasse bezahlten Zinsen, auf letztere abwälzen. Hinzu kommt: da die Geldware gerade reichlich vom Staat nachgefragt wird, steigen die Zinsen. Bau- und Konsumkredite knöpfen den ohnehin durch die Inflation betroffenen Proletarier*innen damit mehr vom Lohn ab als bisher. Dabei ist die Beziehung zwischen Löhnen und Zinsen gar nicht ganz so einfach zu verstehen, wie Riccardo Zolea im International Journal of Political Economy diskutierte.

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Falsche Freunde: fixes Kapital und Fixed Capital Stock

William Jefferies behauptet in einer aktuellen Studie in der Capital&Class, dass viele Empriker, die mit Daten der UNO, OECD und WIOD gearbeitet haben, einem falschen Freund aufgesessen seien. Sie hätten den Fixed Capital Stock als fixes Kapital interpretiert. Warum das aber nicht funktioniert, wie dies berechnete Profitraten verfälscht und welche Alternativen es gibt, darüber soll der folgende Artikel einen kurzen Einblick geben.

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Marx-Boom: aktuelle marxistische Empirie aus Südamerika

Marxistische Forschung boomt. Ok, vielleicht nicht in Deutschland. Aber international wächst die Anzahl an Wissenschaftler*innen, die sich mit moderner Methodik und in Triangulation mit zeitgenössischen Theorien über Imperialismus, Ausbeutung, Abhängigkeiten und Finanzmärkte aufmachen, den Schatz an marxistischer Theorie beständig zu erweitern. Neben der Volksrepublik China, in der die vorgeschriebene Beschäftigung mit der Kritik der politischen Ökonomie zahlreiche Ökonomen zu interessanten Studien – auch jenseits der Parteidogmatik – motiviert hat, ist Südamerika ein Hotspot marxistischer Forschung auf der Höhe der Zeit.

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