Was ist dran am sozialistischen Patriotismus in China?

Sozialistischer Patriotismus; das sollte eigentlich ein Oxymoron sein. Schließlich haben Marx und Engels vor fast 180 Jahren schon postuliert, dass die Proletarier*innen kein Vaterland haben. Lenin fasste in Staat und Revolution zusammen, dass der bürgerliche Nationalstaat im Sozialismus absterben müsse und nicht durch Sentimentalitäten künstlich am Leben erhalten werden solle. Und dennoch stoßen wir in der Geschichte sozialistischer Bewegungen und Staaten immer wieder auf Anrufungen des patriotischen Bewusstseins. Yihao Li von der East China Normal University in Shanghai hat 47 Regierungsdokumente der VR China untersucht, um herauszufinden, was es dort mit der patriotischen Erziehung auf sich hat.

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Senken schlechte Terms of Trade die Durchschnittsprofitrate? Es kommt drauf an!

Wie wirken sich denn eigentlich die relativen Preise im internationalen Handel auf die Durchschnittsprofitraten aus? Carlos Alberto Duque Garcia – hier häufig besprochen und mittlerweile Gastprofessor an der Autonomen Städtischen Universität in Mexiko City – hat genau das für vier südamerikanische Länder untersucht. Bestätigt sich auch empirisch, was Marx im dritten Band des Kapitals anklingen lässt: dass der internationale Handel die Profitrate für fortgeschrittene Nationen nach oben und für abhängige nach unten korrigiert?

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Alles nach Plan … Wirtschaftsdebatten in der Sowjetunion der 60er und 70er Jahre

In den 1960er Jahren wurde in der Sowjetunion kontrovers über die Zukunft der Planwirtschaft diskutiert. Eine neue Generation an Kybernetikern wollte mit Transistoren und Rückkopplungsschleifen endlich die Mängel der Planwirtschaft beseitigen. Ihnen gegenüber standen Reformer, die genau entgegengesetzt wieder freiere Preisgestaltung forderten. Und über allen thronte eine Administration, die Erfahrungen, Praxis und politische Auswirkungen abzuschätzen hatte. Giovanni Cadioli hat sich mit den Planwirtschaftsdebatten der 1960er und 1970er Jahre auseinandergesetzt.

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Mehr Brutto vom Netto in der Profitratenmessung

Wie viel Wert gibt eine Maschine, die vor 20 Jahren angeschafft wurde und vielleicht von der Buchhaltung sogar schon abegschrieben wurde, noch an die Waren ab? Keinen mehr? Den gleichen wie vor 20 Jahren? Den analogen Wert einer gleichwertigen neuen Maschine? Wenn es die noch gibt. Und wie soll man an die entsprechenden Daten kommen? In ihrer Studie für das World Review of Political Economy diskutieren die griechischen Politökonomen Dimitris Paitaridis und Lefteris Tsoulfidis die verschiedenen Möglichkeiten. Die Wahl des Kapitalstockmaßes ist dabei keine technische Petitesse, sondern entscheidet maßgeblich darüber, ob der langfristig fallende Trend der Profitrate sichtbar wird oder statistisch verschleiert bleibt.

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Deutscher Imperialismus, erklärt für Nichtmarxist*innen

Die Bundesrepublik Deutschland steht zu Beginn des Jahres 2026 im Zeichen der innenpolitischen Repressionen, der Militarisierung der Politik nach innen und außen, sowi eines allgemeinen Angriffs auf die Rechte und Löhne der Arbeiter*innen. Trotz allem wird der Terminus „imperialistisch“ in der akademischen Forschung weitestgehend vermieden und lediglich von linken Aktivist*innen benutzt. Kai Koddenbrock und Carolin Fiete Norina Voß wendeten dieses Konzept in der New Poltical Economy auf die BRD an, um zu zeigen, wie gut sich die Totalität der Zeitenwende in diesem erklären lässt.

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Die japanische Debatte um eine marxistische Krisentheorie

Während in Schulbüchern Marx noch gerne eine Krisen- oder Zusammenbruchstheorie angedichtet wird, ist es längst zum Konsens geworden, dass er eine solche Theorie nicht eindeutig herausgearbeitet hat und noch keine weiterführende Theoriebildung allgemeine Anerkennung gefunden hat. Auch in Japan wurde die Marxsche Krisentheorie ausgiebig geführt. Kei Ehara stellte in der History of Economics Review zwei Debatten des japanischen Marxismus vor, die einerseits auf diesen beiden Typen beruhen, sie aber auch transzendieren.

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Radhika Desai und der Wert der Multipolarität

Radhika Desai argumentierte in der diesjährigen Erinnerungsvorlesung an David Gordon, die jährlich von der Union of Radical Political Economists organisiert wird, warum sie Multipolarität als Schritt zum Sozialismus begreift. Ins Zentrum rückt sie dabei eine nur wenig rezipierte Kritik von Marx an Henry Carey, die den Grundrissen angehängt ist

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Warum niedrige Löhne nicht zu mehr Investitionen führen

Mit Javier Milei wurde in Argentinien 2023 ein Popstar der Ultraliberalen und Rechtspopulisten zum Präsidenten gewählt. Er versprach nicht nur, den Staat mit der Kettensäge zu stutzen, sondern vor allen Dingen die Inflation zu bekämpfen. Sein Plan: Durch Senkung der Lohnkosten und Steuern sollten die Profite steigen und so zu neuen Investitionen führen. Die damit einhergehende Ausweitung des Warenangebots könne demnach mit der Geldmengenausweitung Schritt halten, wodurch der Peso stabil bleibe. Allerdings ist die einfache Gleichung Profit = Kapitalakkumulation umstritten. In vielen Ländern des Globalen Südens wurde auf eine „Krise der Überprofitabilität“ oder das „Puzzle der Profite ohne Investitionen“ hingewiesen. Carlos Ibarra versuchte am Beispiel Mexikos dieses Puzzle zusammenzusetzen.

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Eine neue marxistische Inflationstheorie

Inflation ist in der tagespolitischen Diskussion das wohl bedeutendste und umstrittenste Thema der Wirtschaft. Außenhandel, Industrialisierung, Sparen oder Konsum … alles hängt ganz wesentlich von der Geldwertstabilität ab. Umso kritischer, dass marxistische Theorien und Kritiken noch nicht so recht Eingang in die Debatte gefunden haben. Stavros Mavroudeas und Athanasios Chatzirafailidis behaupten, das liege daran, dass die marxistische Theorie noch keine konsistente, wirklich auf dem Arbeitswert beruhende Erklärung der Inflation gefunden habe. Mit Hilfe der Marxschen Reproduktionsschemata aus Kapital Band II wollen diese beiden nun die Lücke schließen.

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