Deutsche Kommunistische Debatte (4): Eine „Regierung des Friedens“?

Die zunehmende Breite der Friedensbewegung stellt die marxistische Linke jedoch auch vor Herausforderungen. Nicht nur bleibt die Frage offen, mit wem man zusammen auf die Straße gehen kann. Auch die strategische Perspektive der Friedensbewegung ist umkämpft. Schließlich ist die revolutionäre Linke alleine zu schwach, um dem Monopolkapital irgendetwas entgegenzusetzen. Die DKP hat auf dem letzten Parteitag eine Handlungsorientierung beschlossen, auf die ein friedenspolitisches Strategiepapier folgte. Bei der Vorstellung in Baden-Württemberg löste der stellvertretende Vorsitzende Björn Blach jedoch eine Kontroverse aus, indem er den Begriff einer „Regierung des Friedens“ ins Feld führte. In unregelmäßigen Abständen druckt das Parteiorgan „Unsere Zeit“ seither Beiträge die sich kritisch mit diesem Begriff auseinandersetzen.

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Die Speerspitze der Freireschen Pädagogik mit Losurdo reinigen

in Intellektueller, der dringend vor dem Revisionismus gerettet werden muss, ist Paulo Freire. Denn wenngleich sein Name in keiner antikolonialen, postkolonialen oder „kritischen“ Publikation über Pädagogik fehlen darf, wurde das ideologische Fundament, auf dem Freie seine „Pädagogik der Unterdrückten“ aufbaute, zunehmend verwässert: der Marxismus-Leninismus. Vielmehr werden heute richtungslose Kritik und Emanzipation ohne Inhalt mit seiner Pädagogik assoziiert. Scott Ritchie von der Kennesaw State University in den USA will das nicht so stehen lassen und behilft sich bei seiner Rehabiliation des revoluionären Paulo Freire passenderweise mit Losurdo.

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Der Arbeitsmarkt als Waffe und System: Grundzüge einer materialistischen Analyse

Nur die gutgläubigsten Liberalen können annehmen, dass die neue Reformagenda allein Reaktion auf die Konjunktur ist und kein aktiver Klassenkampf der Bourgeoisie. Und obwohl der Arbeitsmarkt jeden Menschen, der seine Arbeitskraft als einzige Waren auf diesem feilbieten muss, enorm prägt, steckt die marxistische Theoriebildung hierzu noch in den Kinderschuhen. Zhong Kai Qian und Ngai Pun von der Lingnan-Universität in Hong Kong haben erste Pfade einer Konzeptionalisierung beschritten.

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Zur Stellung der Ethnologischen Exzerpthefte im Streit von Feminismus und Marxismus

Zeigen die Ethnologischen Exzerpthefte, wie stark die Marxsche von der ENgelsschen Geschichtsphilosophie entfernt war? Xinxian Zhu von der Universität Huaqiao in China vertritt die Auffassung, dass sowohl Marx also auch Engels schon immer erkennbar eine sehr differenzierte und dialektische Sicht auf die Herausbildung der Familie und das Patriarchat hatten. Mit den Inhalten der Exzerpthefte und einem Rückgriff auf den heute fast unbekannten Bachofen verteidigt Zhu beide Theoretiker gegen falsche feministische Kritik.

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Ordnung in die Anarchie des Marktes bringen

Bürgerliche Ökonomen wie Keynes wollten den Kapitalismus nicht beseitigen, sondern seine Potentiale durch die richtige Ordnung voll ausschöpfen. Doch sie ärgerte, dass dieser Kapitalismus, den sie durchdrungen zu haben glaubten, immer wieder in tiefe Krisen stürzte. Und so übten sie moralische Kritik an der Unvernunft der Besitzenden, deren Verstoß gegen diese oder jene Regularien am Ende alle in die Krise stürzten. Nikolaos Chatzarakis und Persefoni Tsaliki haben sie die Keynesianische Krisentheorie etwas genauer angesehen und argumentieren, was die Postkeynesianer schon bei Marx hätten lernen können: dass nicht die Anarchie, sondern die Ausbeutung das Problem ist.

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Das Huhn im Kapitalismus. Lektion 3. Wertschöpfungsketten

Im letzten Jahr wurde in einer Artikelüberschrift dieses Blogs gefragt, warum das Huhn in die Zirkulationssphäre ging. Nachdem Catherine Oliver 2024 darstellte, dass das Huhn der optimale Fleischlieferant ist, um die Umschlagszeit des Kapitals zu verkürzen und somit dem Fall der Profitrate entgegenzuwirken, hatten Jostein Jakobsen, Mads Barbesgaard und Mariel Aguilar-Støen beleuchtet, wie die Aufrechterhaltung der schnellen Umschlagszeit Monopolkonzerne bevorteilt. Das letztere Autorenkollektiv hat sich nun genauer die Zirkulation von Hühnerprodukten unter dem Fokus der Wertschöpfungskette angeschaut.

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Was ist dran am sozialistischen Patriotismus in China?

Sozialistischer Patriotismus; das sollte eigentlich ein Oxymoron sein. Schließlich haben Marx und Engels vor fast 180 Jahren schon postuliert, dass die Proletarier*innen kein Vaterland haben. Lenin fasste in Staat und Revolution zusammen, dass der bürgerliche Nationalstaat im Sozialismus absterben müsse und nicht durch Sentimentalitäten künstlich am Leben erhalten werden solle. Und dennoch stoßen wir in der Geschichte sozialistischer Bewegungen und Staaten immer wieder auf Anrufungen des patriotischen Bewusstseins. Yihao Li von der East China Normal University in Shanghai hat 47 Regierungsdokumente der VR China untersucht, um herauszufinden, was es dort mit der patriotischen Erziehung auf sich hat.

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Senken schlechte Terms of Trade die Durchschnittsprofitrate? Es kommt drauf an!

Wie wirken sich denn eigentlich die relativen Preise im internationalen Handel auf die Durchschnittsprofitraten aus? Carlos Alberto Duque Garcia – hier häufig besprochen und mittlerweile Gastprofessor an der Autonomen Städtischen Universität in Mexiko City – hat genau das für vier südamerikanische Länder untersucht. Bestätigt sich auch empirisch, was Marx im dritten Band des Kapitals anklingen lässt: dass der internationale Handel die Profitrate für fortgeschrittene Nationen nach oben und für abhängige nach unten korrigiert?

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Alles nach Plan … Wirtschaftsdebatten in der Sowjetunion der 60er und 70er Jahre

In den 1960er Jahren wurde in der Sowjetunion kontrovers über die Zukunft der Planwirtschaft diskutiert. Eine neue Generation an Kybernetikern wollte mit Transistoren und Rückkopplungsschleifen endlich die Mängel der Planwirtschaft beseitigen. Ihnen gegenüber standen Reformer, die genau entgegengesetzt wieder freiere Preisgestaltung forderten. Und über allen thronte eine Administration, die Erfahrungen, Praxis und politische Auswirkungen abzuschätzen hatte. Giovanni Cadioli hat sich mit den Planwirtschaftsdebatten der 1960er und 1970er Jahre auseinandergesetzt.

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Mehr Brutto vom Netto in der Profitratenmessung

Wie viel Wert gibt eine Maschine, die vor 20 Jahren angeschafft wurde und vielleicht von der Buchhaltung sogar schon abegschrieben wurde, noch an die Waren ab? Keinen mehr? Den gleichen wie vor 20 Jahren? Den analogen Wert einer gleichwertigen neuen Maschine? Wenn es die noch gibt. Und wie soll man an die entsprechenden Daten kommen? In ihrer Studie für das World Review of Political Economy diskutieren die griechischen Politökonomen Dimitris Paitaridis und Lefteris Tsoulfidis die verschiedenen Möglichkeiten. Die Wahl des Kapitalstockmaßes ist dabei keine technische Petitesse, sondern entscheidet maßgeblich darüber, ob der langfristig fallende Trend der Profitrate sichtbar wird oder statistisch verschleiert bleibt.

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