Im Krisenmodus

Die Angst vor der Rezession hält Deutschland in Atem. Die Arbeitgeberverbände fordern Maßnahmen zur Verbesserung der weltweiten Konkurrenzfähigkeit, also direkte wie indirekte Lohnkürzungen, den Abbau von Arbeiter*innenrechten und einen Abbau des Sozialstaats. Das Gegenprogramm linker Keynesianist_innen lautet mehr Investitionen vom Staat, rechte sehen den Rüstungssektor als das natürliche Ziel solcher Investitionen. Carlos Alberto Duque Garcia hat die Krisenzyklen der vergangenen 50 Jahre in Kolumbien analysiert. Und er kommt zu dem Schluss, dass es nicht neue Investitionen sind, welche aus einer Krise herausführen, sondern ein bestimmtes Verhältnis von Profitrate und Profitmasse, wie es auch im Einklang mit der Marxschen Theorie steht.

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Konsensmodelle im materialistischen Feminismus

Spätestens seit mit der neoliberalen Wende das Einverdienermodell in weiten Teilen Europas implodierte, sind die „Lohn für Hausarbeit“-Kampagnen – jenseits aller theoretischen Probleme – zum praktischen Erliegen gekommen. Einig ist sich der materialistische Feminismus eher darin, dass die Umverteilung der Carearbeit auf die Schultern der Frauen ein wesentlicher Hebel der Bourgeoisie ist, um Krisenlasten auf das Proletariat zu verteilen. Aber wie genau dieser Mechanismus funktioniert und welchen gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten er unterliegt, ist noch immer Gegenstand der Debatte. Nayeli Pérez Juárez und David Orlando Ramírez-Naranjoa haben sich systematisch durch die vorhandene Literatur rund um den Zusammenhang von Reproduktion und Profitrate gearbeitet. Sie haben versucht, einen konsensuell geteilten Rahmen für eine gemeinsame weiterführende Diskussion zu extrahieren.

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Bewaffnete Vernunft? Bodrunovs Noonomie in Zeiten des Ukrainekriegs

Warum müssen es Kommunist*innen immer so umständlich machen? Wenn man die kapitalistische Wirtschaftsweise für unvernünftig hält, warum ersetzt man sie dann nicht einfach durch eine vernünftige? Thats’s all. Wer soll denn da was dagegen haben? Was auf den ersten Blick komisch vereinfachend klingt, hat der russische Ökonom Sergey Bodrunov in seinem 2018 erschienen Buch „Noonomie“ tatsächlich gefordert. Aber wie passt der Gedanke einer demokratischen und emanzipatorischen Planwirtschaft, sowie ihr Beginn im Hier und Heute zu einer russischen Gegenwart, die von Krieg, Korruption und politischer Repression geprägt ist?

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Kommunismus = Tugan-Baranowski + Grenznutzentheorie

Der Name Tugan-Baranowski funktioniert heute ähnlich dem Namen Bernsteins als Synonym für den Revisionismus. Luxemburg unterstellte ihm in der Akkumulation des Kapitals ein Bekenntnis zur inneren Grenzenlosigkeit des Kapitalismus. Nach Lenin würden an bürgerlichen Institutionen angestellte Marxist*innen automatisch den herrschenden Klassenstandpunkt übernehmen. Chad Satterlee hat sich genauer angeschaut, welchen Einfluss Tugan-Baranowski an der Planungsdebatte hatte und wie er versuchte, einen Grenznutzenansatz hierfür fruchtbar zu machen.

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Marxismus-LLMismus

Matti Nelimarkka ging der Frage nach, ob sich vorhandene Large Language Models mit Hilfe von Fine-Tuning durch marxistische Klassiker als Werkzeuge der Kritik der politischen Ökonomie gestalten lassen. Was sagen seine Modelle, etwa was Revolution ist? „„Die Revolution darf durch die kommunistische Partei nicht ignoriert werden. Die Partei der Ordnung ist nicht nur eine kommunistische Partei, sondern ein Partei der Ordnung in allen Ländern. Sie ist, sie ist, unter keinen Bedingungen eine revolutionäre Partei.“

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Software ist auch nur eine Ware. Zur Kritik der „eigenartigen Kostenstruktur“

Viele Marxist*innen und kritische Ökonom*innen haben die Prämisse der „eigenartigen Kostenstruktur“ von Software, nach der Code und Kopie von Software getrennt voneinander betrachtet werden, übernommen, ohne hinreichend zu prüfen, ob sie überhaupt stimmig ist. Luis Arboledas-Lerida hat sie in der Science & Society hinterfragt. Insbesondere setzte er sich kritisch mit Theorien auseinander, welche die Marxschen Ausführungen über „moralischen Verschleiß“ oder „Abnutzung“ auf Software übertragen wollen.

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Marxismus in der neuen Multipolarität? – Rückblick auf die WAPE-Konferenz 2025

Die World Association for Political Economy WAPE vertritt einen marxistischen Internationalismus. In ihr organisieren sich marxistische und kritische politische Ökonom*innen aus der ganzen Welt. Sie kommen jährlich seit 2006 zu einer Konferenz zusammen, sodass man 2025 den 20. Jahrestag feiern konnte. Und nichts geringeres als die Gretchenfrage nach der Multipolarität sollte im Kernpunkt der Konferenz stehen. In der aktuellen World Review of Political Economy wurde ein Resümee der Veranstaltung gezogen.

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Losurdos Erbe

Der Philosoph Domenico Losurdo war ein autoritärer Linker im besten Sinne. Er ergriff Partei gegen einen falschen Universalismus und für eine konkrete Geschichtsinterpretation, die alle inneren Widersprüche des sozialistischen Übergangs mit einschließt. Die International Critical Thought widmet ihre aktuelle Ausgabe dem Leben und Werk Losurdos, dass einen ganzen Besteckkasten an Scheidemessern zwischen opportunistischer Phrase und historischem revolutionärem Bewusstsein bietet.

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Deutsche Kommunistische Debatte (4): Eine „Regierung des Friedens“?

Die zunehmende Breite der Friedensbewegung stellt die marxistische Linke jedoch auch vor Herausforderungen. Nicht nur bleibt die Frage offen, mit wem man zusammen auf die Straße gehen kann. Auch die strategische Perspektive der Friedensbewegung ist umkämpft. Schließlich ist die revolutionäre Linke alleine zu schwach, um dem Monopolkapital irgendetwas entgegenzusetzen. Die DKP hat auf dem letzten Parteitag eine Handlungsorientierung beschlossen, auf die ein friedenspolitisches Strategiepapier folgte. Bei der Vorstellung in Baden-Württemberg löste der stellvertretende Vorsitzende Björn Blach jedoch eine Kontroverse aus, indem er den Begriff einer „Regierung des Friedens“ ins Feld führte. In unregelmäßigen Abständen druckt das Parteiorgan „Unsere Zeit“ seither Beiträge die sich kritisch mit diesem Begriff auseinandersetzen.

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