Deutscher Imperialismus, erklärt für Nichtmarxist*innen

Die Bundesrepublik Deutschland steht zu Beginn des Jahres 2026 im Zeichen der innenpolitischen Repressionen, der Militarisierung der Politik nach innen und außen, sowi eines allgemeinen Angriffs auf die Rechte und Löhne der Arbeiter*innen. Trotz allem wird der Terminus „imperialistisch“ in der akademischen Forschung weitestgehend vermieden und lediglich von linken Aktivist*innen benutzt. Kai Koddenbrock und Carolin Fiete Norina Voß wendeten dieses Konzept in der New Poltical Economy auf die BRD an, um zu zeigen, wie gut sich die Totalität der Zeitenwende in diesem erklären lässt.

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Radhika Desai und der Wert der Multipolarität

Radhika Desai argumentierte in der diesjährigen Erinnerungsvorlesung an David Gordon, die jährlich von der Union of Radical Political Economists organisiert wird, warum sie Multipolarität als Schritt zum Sozialismus begreift. Ins Zentrum rückt sie dabei eine nur wenig rezipierte Kritik von Marx an Henry Carey, die den Grundrissen angehängt ist

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Warum niedrige Löhne nicht zu mehr Investitionen führen

Mit Javier Milei wurde in Argentinien 2023 ein Popstar der Ultraliberalen und Rechtspopulisten zum Präsidenten gewählt. Er versprach nicht nur, den Staat mit der Kettensäge zu stutzen, sondern vor allen Dingen die Inflation zu bekämpfen. Sein Plan: Durch Senkung der Lohnkosten und Steuern sollten die Profite steigen und so zu neuen Investitionen führen. Die damit einhergehende Ausweitung des Warenangebots könne demnach mit der Geldmengenausweitung Schritt halten, wodurch der Peso stabil bleibe. Allerdings ist die einfache Gleichung Profit = Kapitalakkumulation umstritten. In vielen Ländern des Globalen Südens wurde auf eine „Krise der Überprofitabilität“ oder das „Puzzle der Profite ohne Investitionen“ hingewiesen. Carlos Ibarra versuchte am Beispiel Mexikos dieses Puzzle zusammenzusetzen.

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Klimawandel als Milliardengeschäft für die imperialistischen Staaten

Der Klimawandel ist eine der großen zivilisatorischen Herausforderungen unserer Zeit. Die kapitalistische Produktionsweise ist dabei, alle planetarischen Grenzen zu sprengen; womöglich noch bevor sie gesellschaftlich überwunden wird. Was der freie Markt zerstört, soll er auch wieder reparieren, lautet die Logik der westlichen Regierungen und so erdachte man sich das System des Emissionshandels. Doch selbst Greta Thunberg ist über jahrelange Auseinandersetzung mit den globalen Folgen der unzureichenden Klimapolitik auf die tiefe Verbindung von Imperialismus und Umweltzerstörung gestoßen. Lässt sich auch beziffern, wie stark der Westen vom Emissionshandel profitiert?

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Im Herbst der nigerianischen Automobilindustrie

In Nigeria versucht man sich bereits seit über 50 Jahren am Projekt des Aufbaus einer nationalen Automobilindustrie. Nach einem kurzen Hype in der Mitte der 2010er Jahre bricht diese aktuell aber wieder ein. Peter Labe Atime & Michael I. Ugwueze führten Interviews mit Vertretern aller größeren nigerianischen Automobilwerke, so wie Vertretern des Arbeitgeberverbandes und des Nationalen Automobilentwicklungsrates. Sie zeichnen ein Bild davon, was es heißt, selbst nicht in der Liga der Imperialisten mitspielen zu können.

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Weil Klatschen nicht reicht: Deutscher Care-Extraktivismus

Die COVID-Pandemie hat vielen Menschen wieder ins Bewusstsein gerufen, wie wichtig der Gesundheitssektor für die Gesellschaft ist. Dass allerdings der landesweite Applaus nicht reichen würde, wurde schnell kritisch geäußert. Die Arbeitsbedingungen mit Schichtdienst, zu wenigen Stellen pro Patient und eher geringen Löhnen hat dazu geführt, dass der Beruf seit Jahren kaum noch attraktiv für junge Menschen ist. Die Lücke zwischen benötigten Stellen und freien Arbeitskräften wächst beständig. Daher wirbt die Bundesregierung seit mehreren Jahren um ausländische Fachkräfte. Inwiefern es dabei wirklich so etwas, wie ein Ethical Recuitment gibt oder ob die Abwerbung dieser Arbeiter*innen nicht einen Brain Drain von der Peripherie in die Zentren verursacht, erörterten Tine Hanrieder und Leon Janauschek in der Review of International Political Economy.

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Progressive Putsche? Zur politischen Ökonomie in Mali, Burkina Faso und Niger

Ibrahim Traore ist seit zwei Jahren der neue Shooting Star der antiimperialistischen Linken. Seit 2020 sind dabei die Regierungen Malis, Burkina Fasos und Nigers zwar aus popularen Volksbewegungen, aber nicht aus demokratischen Wahlen hervorgegangen. Alle drei Länder werden zur Zeit durch Übergangsregierungen aus Mitgliedern der Militärs regiert. Chen Zhang und Maxence Poulin von den Universitäten in Beijing und Quebec untersuchten in der International Critical Thought, warum der Aufstand in Französisch-Westafrika diese politische Form annahm und welche Klassenbasis er besitzt.

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Zement, in Gold verpackt: Venezuela, Raubbau und der marxistische Kunstbegriff

Abstrakte Kunst ist ein adäquater Ausdruck einer Gesellschaft sein, deren gesellschaftliche Verhältnisse einen so hohen Abstraktionsgrad eingenommen haben, dass sie im Wesentlichen durch Objekte vermittelt werden, ohne, dass es noch auffällt. Esperanza Mayobre hat solche Objekte zum Zentrum ihrer Installationen gemacht: vergoldete Zementblöcke. Was diese über das Verhältnis von Mensch und Natur und die Goldindustrie in Venezuela lehren, arbeitete Santiago Acosta im Journal of Latin American Cultural Studies heraus.

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Internationale Spaltung des Finanzkapitals

Innerhalb der kommunistischen Bewegung herrscht immer noch ein tiefer Dissens über den Charakter des Imperialismus. Ist er tatsächlich eine alle Länder umfassende Epoche, in der die nationalen Kapitalistenklassen mit den selben Mitteln konkurrieren und die westlichen einfach nur erfolgreicher sind? Oder hat die Geschichte die Welt in zwei unterschiedliche Sphären geteilt – eine zentrale und eine periphere -, die zu einer prinzipiellen Abhängigkeit der zweiten von der ersten führt und deren Überwindung ein progressiver Akt wäre? Der lateinamerikanische Strukturalismus hat in den vergangenen Jahren das Konzept der internationalen Teilung der Arbeit zum Konzept der internationalen Teilung der Finanzen weiterentwickelt. Es will aufzeigen, wie die auf dem Weltmarkt gehandelten Finanztitel zu unterschiedlichen Abhängigkeiten führen.

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