Senken schlechte Terms of Trade die Durchschnittsprofitrate? Es kommt drauf an!

Wie wirken sich denn eigentlich die relativen Preise im internationalen Handel auf die Durchschnittsprofitraten aus? Carlos Alberto Duque Garcia – hier häufig besprochen und mittlerweile Gastprofessor an der Autonomen Städtischen Universität in Mexiko City – hat genau das für vier südamerikanische Länder untersucht. Bestätigt sich auch empirisch, was Marx im dritten Band des Kapitals anklingen lässt: dass der internationale Handel die Profitrate für fortgeschrittene Nationen nach oben und für abhängige nach unten korrigiert?

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Mehr Brutto vom Netto in der Profitratenmessung

Wie viel Wert gibt eine Maschine, die vor 20 Jahren angeschafft wurde und vielleicht von der Buchhaltung sogar schon abegschrieben wurde, noch an die Waren ab? Keinen mehr? Den gleichen wie vor 20 Jahren? Den analogen Wert einer gleichwertigen neuen Maschine? Wenn es die noch gibt. Und wie soll man an die entsprechenden Daten kommen? In ihrer Studie für das World Review of Political Economy diskutieren die griechischen Politökonomen Dimitris Paitaridis und Lefteris Tsoulfidis die verschiedenen Möglichkeiten. Die Wahl des Kapitalstockmaßes ist dabei keine technische Petitesse, sondern entscheidet maßgeblich darüber, ob der langfristig fallende Trend der Profitrate sichtbar wird oder statistisch verschleiert bleibt.

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Abstrakte Arbeit und abstrakte Ausbeutung

David Laibman ist Gitarrenlehrer und Folksänger. Seinen Song Orange Blossom Special coverte sogar Johnny Cash. Er ist aber auch marxistischer Professor für Ökonomie. Seit 50 Jahren schon setzt er sich mit den Fragen der Arbeitswerttheorie und des Transformationsproblems auseinander. Er versucht dabei, die mathematische Konsistenz des sraffanischen Ansatzes mit dem Primat des Klassenkampfes zu verbinden. Hierfür führt er den Begriff der abstrakten Ausbeutung als Analogon zum abstrakten Wert ein.

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Falsche Freunde: fixes Kapital und Fixed Capital Stock

William Jefferies behauptet in einer aktuellen Studie in der Capital&Class, dass viele Empriker, die mit Daten der UNO, OECD und WIOD gearbeitet haben, einem falschen Freund aufgesessen seien. Sie hätten den Fixed Capital Stock als fixes Kapital interpretiert. Warum das aber nicht funktioniert, wie dies berechnete Profitraten verfälscht und welche Alternativen es gibt, darüber soll der folgende Artikel einen kurzen Einblick geben.

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The Word for Value is Forest

Menschen arbeiten. Das ist klar. Sie arbeiten im Wesentlichen in der Gesellschaft und für die Gesellschaft. Die gegenwärtige Gesellschaft setzt alle Arbeiten im Geld gleich, wodurch sie austauschbar werden, meist in der Form von Waren. So weit, so gängig. Aber arbeitet auch eine Biene, indem sie Honig macht und die Blumen bestäubt? Arbeitet ein Baum, der Kohlenstoffdioxid bindet und Holz liefert? Arbeit ein See, indem er die Fische reproduziert und uns Kühlung verschafft? Oder arbeitet die Erde, indem sie aus Generationen abgestorbener organischer Substanzen Erdöl presst?

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Der Große Eisenbahnschwindel (2/2): vom politökonomischen Schiff des Theseus

Fortsetzung vom Mittwoch. Im ersten Teil dieses Artikels wurde Robert Bryers Konzeption einer marxistischen Beschreibung des Großen Eisenbahnschwindels von 1844 bis 1848 eingeführt. Nun soll entlang der Kritik an seiner Darstellung nochmals der Wirkungsmechanismus einer materialistischen Betrugstheorie vertieft werden und anschließend die empirische Evidenz für Bryers Interpretation vorgestellt werden.

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Der Große Eisenbahnschwindel (1/2): War Marx Verschwörungstheoretiker oder Debunker?

Krisen sind die idealen Nährböden von Verschwörungstheorien. Wenn der eigentlich so effiziente Kapitalismus in die Krise gerät, können sich insbesondere bürgerliche Ökonomen dies nur mit dem verbrecherischen Handeln einzelner Akteure erklären und nicht aus der Systematik der Ökonomie selbst. Um so erstaunlicher mutet es an, dass Marx im dritten Bank des Kapitals selbst vom „Großen Eisenbahnschwindel“ 1844-48 in Großbritannien schreibt. Robert Bryer, Fachmann einer historisch-materialistischen und arbeitswertzentrierten Geschichtsschreibung der Buchhaltung, hat 1991 beschrieben, wie das eigentlich zusammenpasst: Betrug und Krise bei Marx.

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Profitraten: mehr als nur Durchschnitt

n der marxistischen Debatte herrscht noch viel Unklarheit über den Charakter der Durchschnittsprofitrate. Auf der einen Seite kann eine Durchschnittsprofitrate nicht einfach als Einheitsprofitrate verstanden werden, denn wenn alle Kapitale die gleiche Profitrate hätten, dann müsste man aus nichts einen Durchschnitt bilden. Auf der anderen Seite: wenn die Profitraten divergieren, wie können sie dann noch auf die einzelnen Profitraten wirken? Woran orientiert sich dann die Bourgeoisie? Der in allen Teilbereichen der marxistischen Empiriegewinnung äußerst umtriebige Carlos Alberto Duque Garcia hat die Profitratenverteilung in Kolumbien für das Jahr 2018 untersucht. Insbesondere hat er sich wie Farjoun und Machover mit deren Form auseinandergesetzt. Er schließt, dass die Ergebnisse mit der marxistischen Theorie übereinstimmen … und nur mit der marxistischen.

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Kampf ums Kapital: „Wert“-Übersetzungen in Russland und Indien (1/2)

Als Dipesh Chakrabarty in Provincialisng Europe die Übertragbarkeit europäischer politischer Konzepte auf die indische Gesellschaft in Frage stellte, nutzte er auch Marx als Beispiel. Die Begriffe Wert, Arbeit und Kapital seien nicht nur nicht mit der indischen Realität und ihren verschiedenen Formen an Eigentum, kulturellen Überlappungen und kollektiven Produktionsmethoden vereinbar, die Begriffe ließen sich nicht einmal sinnvoll übersetzen. Aber stimmt das? Alessandro Stanziani von der Pariser CNRS hat die höchst spannende Übersetzungsgeschichte des Wert-Begriffs in Russland und Indien nachgezeichnet.

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