Mit Engels die Drosophila-Fliege verstehen

im Zuge des 200. Geburtstages von Friedrich Engels ist viel über seine Partnerschaft zu Karl Marx, seine Verdienste um den Marxismus als politische Entität und seine eigenen Beiträge zum wissenschaftliche Sozialismus geschrieben worden. Dabei ist wohl kaum ein Thema so umstritten, wie seine Naturdialektik, gilt heute den meisten Menschen doch die Trennung von Philosophie, Natur- und Geisteswissenschaften als heilige Kuh. Ihre Zusammenführung wird daher leicht als positivistischer bis esoterischer Kitsch abgetan.
Camilla Royle beschreibt in der Human Geography, wie die Dialektik der Natur nach Engels´ Tod weiter diskutiert und entwickelt wurde. Sie würdigt in diesem Zusammenhangdas Werk Richard Lewontins und bettet ihre Betrachtungen in ihre persönliche Biographie ein.

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Extraktivismus in Argentinien

Die Kritik am Extraktivismus – also am hemmungslosen Abbau von Bodenschätzen oder einer extensiven Landwirtschaft für den Export – hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Während die ökologischen Bewegungen des Westens die Folgen für das Klima fürchten, kämpfen in den peripheren Ländern vor Ort Indigene gegen den Verlust ihres Landes. Korruption und Vetternwirtschaft liegt vor allen Dingen den Liberalen schwer im Magen. Die Linke ist in ihrer Kritik noch am vorsichtigsten, da die Exporteinnahmen die wesentliche Stütze der jeweiligen Sozialsysteme darstellen. Doch auch die sehen die Gefahr der Instabilität und Abhängigkeit vom Weltmarkt und den imperialistischen Ländern kritisch. Nicolás Pérez Trento von der Universidad Nacional de Quilmes in Argentinien hat sich mit dem Extraktivismus in Argentinien auseinandergesetzt. Er kritisiert Verkürzungen durch das liberale Modell und erweitert um die marxistische Theorie des Weltmarktes und der Differentialrente.

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Diagnose: Entfremdung

„Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag.“ lässt im Film The Country Girl Drehbuchautor George Seaton den Sänger Bing Crosby sagen. Alltag im Kapitalismus, das heißt vor allen Dingen Entfremdung. Entfremdung von anderen Menschen, wenn man in seiner Büroparzelle Aufträge abarbeitet; Entfremdung von der Arbeit, wenn Druck und Fremdbestimmung jede Tätigkeit zur Last werden lassen; Entfremdung von der Natur, wenn einem eigentlich egal ist, woher Essen und Kleidung kommen, Hauptsache sie sind bezahlbar. Es wird kaum verwundern, dass so ein Dauerzustand krank machen kann. Im Scandinavian Journal of Public Health entwarfen Emil Oversveen und Conor A. Kelly einen kurzen Abriss über die Entfremdungstheorie in der Gesundheitspsychologie. Sie arbeiteten Leerstellen des klassischen psycho-sozialen Ansatzes heraus und zeigten auf, wie marxistische Theorie in der Lage ist, diese zu füllen.

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It´s Big in Japan

Das Kapitel zum kaufmännischen Kapital haben Marx und Engels auch sehr unprominent imvierten Abschnitt des dritten Bandes des Kapitals versteckt. Dort fällt es zwischen dem tendenziellen Fall der Profitrate und der trinitarischen Formel auch nicht weiter auf. Nicht so in Japan. Hier liefert sich der akademische Marxismus seit 50 Jahren eine intensive Debatte über die Rolle des kaufmännischen Kapitals in der Gesamtreproduktion des Kapitals. Shinya Shibasaki von der Hokusei Gakuen Universität und Kei Ehara von der Universität in Oita haben die Debatte in der Capital&Class Revue passieren lassen. Sie verfolgen diese vom bekannten japanischen Marxisten Kozo Uno über seinen Schüler Shigekatsu Yamaguchi bis hin zu aktuellen Ansätzen. It´s a big thing in Japan.

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Reichtum im Kommunismus: Disposable Time

„Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine “ungeheure Warensammlung”, die einzelne Ware als seine Elementarform.“ So beginnt Karl Marx Das Kapital. Aber wie erscheint eigentlich der Reichtum kommunistischer Gesellschaften? Allgemein akzeptiert ist eine Definition, die in den Theorien über den Mehrwert und im Maschinenfragment auftaucht: Disposable Time … Zeit für Muße, Zeit für Entwicklung der Fähigkeiten, Zeit, die nicht gearbeitet werden muss. Aber warum verwendet Marx nicht den Terminus verfügbare Zeit? Das kommt daher, dass die Idee von einem englischsprachigen Publizisten stammt, dessen Identität Marx nicht einmal kannte.

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Menschenrechte für Profite

Menschenrechte gelten für Menschen, möchte man meinen. Tatsächlich können aber auch Organisationen diese wahrnehmen: Gewerkschaften, NGOs oder eben profitorientierte Unternehmen. So berufen sich letztere auf das Recht auf Privatsphäre, um sich vor Kontrolle durch den Staat zu wehren oder auf das Recht auf freie Meinungsäußerung, um unliebsame Mitarbeiter*innen loszuwerden. Stefani Khoury und David Whyte von der Universität in Liverpool haben die Praxis des amerikanischen und europäischen Menschengerichtshofes in Unternehmensfragen vergleichend analysiert.

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Wie der Imperialismus Wechselkurs hält

Hätte Karl Marx seinen Sechs-Bücher-Plan umsetzen können und einen Band über den Weltmarkt geschrieben, die Analyse der Wechselkurse hätte einen gewichtigen Teil ausgemacht. Manuel Martinez und Pietro Borsari haben in der New Political Economy einen analytischen Rahmen für die Abhängigkeit der Wechselkurse peripherer Staaten von den Ökonomien der kapitalistischen Zentren entwickelt und dies mit Daten aus Brasilien und Kolumbien gestützt. Sie zeigen auf, wie der Imperialismus Krisenphänomene in den imperialistischen Kernländern auslagern kann, ohne dass die untergeordneten Ökonomien dauerhaft profitieren und welche Rolle hier die Wechselkurse spielen.

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Kapitalismus macht behindert

Wie kommt es, dass die Anzahl als „beeinträchtigt“ geltender Arbeitssuchender in Schweden in den letzten 20 Jahren um 300% zugenommen hat? Um dieser Frage nachzugehen, führte Christian Maravelias von der Universität in Stockholm Interviews mit Betroffenen und Fallmanagern. In der Critical Sociology zeigt er dabei auf, wie sich das Bild von „Beeinträchtigung“ und „Behinderung“, genauso wie das derer, die als „gesund“ gelten, in den letzten beiden Jahrzehnten gewandelt hat. Seine Studie steht dabei in einen breiteren Kontext materialistischer Theorie von Behinderung, die aufzeigt, dass Menschen nicht behindert sind, sondern gemacht werden.

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Imperialismus messen – der TADVA

Die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit bestimmt die Stellung einer Nation in imperialistischen Hierarchie der Weltmächte. Wer oben ist, sichert sich satte Extraprofite und kann unangenehme ausländische Regierungen erpressen. Wer unten ist, zahlt ständig drauf und kriegt bei Rebellion auf den Hut.
Die beiden Ökonom*innen Maria Markaki von der Hellenic Mediterranian University und George Economakis von der Universität in Patras haben in der World Review of Political Economics einen Indikator zur Messung der globalen Wettbewerbsfähigkeit entwickelt. Im Zentrum ihrer Analyse steht im Gegensatz zu anderen von Marxist*innen aufgestellten Indikatoren nicht der Preis der Ware Arbeitskraft, sondern die materielle Beschaffenheit einer nationalen Ökonomie.

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Antiimperialistische Stadtentwicklung

Mit Guantanamo verbinden viele das Foltergefängnis, dass symbolisch für den Zivilisationsbruch der Vereinigten Staaten im Zuge der imperialistischen Kriege „gegen den Terror“ steht. Die Bucht von Guantanamo bildet jedoch auch die einzige Landgrenze zwischen den kapitalistischen USA und dem sozialistischen Kuba. „Frontstadt“ ist Caimanera, eine 10.000-Seelengemeinde und Vorstadt des eigentlichen Guantanamos. Ranu Basu von der Fakultät für ökologischen und urbanen Wandel der York-Universität aus Toronto analysiert unter dem Aspekt anti-imperialistischer Raumgestaltung, wie Caimanera den „Wettstreit der Ideen“ vor die Tore vor die Tore des US-Marinestützpunktes bringt. Er beschreibt eine Kleinstadt, die für die gewöhnlichen Leute Kubas, aber auch für die gewöhnlichen Leute der Welt gebaut wird.

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